PRESSESPIEGEL


*** 18.01.2003 *** Mitgiledervesammlung beschließt einstimmig die Auflösung der Schücking Gesellschafft! ***

  Bericht des Präsidenten Gerd Gepp

Archiv der Gemeinde Sögel geschenkt

Schücking-Gesellschaft steht vor der Auflösung

Schücking-Fundus fällt als Schenkung der Gemeinde zu

MÜNSTERLÄNDISCHE TAGESZEITUNG vom 28.01.2003

Archiv der Gemeinde Sögel geschenkt

Nach Schließung des Literaturmuseums auch Auflösung der Schücking-Gesellschaft beschlossen

Sögel (st) - Wurde im vergangenen Jahr wegen Mangels an finanziellen Mitteln das Schücking-Museum in Sögel geschlossen, so hat jetzt auch die Schücking-Gesellschaft ihre Auflösung beschlossen. Der umfangreiche archivarische Bestand der Literaturgesellschaft, er wurde ständig erweitert von Museumsleiter Heinz Thien, fällt als Schenkung der Gemeinde Sögel zu. Mit der Entscheidung der Mitgliederversammlung wurde nach knapp sechsjährigem Bestehen auch offiziell das Ende des Schücking-Museums besiegelt, das bereits im vergangenen Jahr die Türen schließen musste.

Was 1977 so hoffnungsvoll begonnen hatte, wurde ein Opfer des Geldmangels: das Schücking-Museum musste schließen. Es gehörte zu den wenigen Literaturmuseen Deutschlands und war das einzige im Nordwesten. Am 25. Mai 1977 wurde es eröffnet und präsentierte unter Leitung von Heinz Thien historische Exponate aus den vergangenen sieben Jahrhunderten, wobei deutsche Literaturgeschichte im Vordergrund stand. Ermöglicht wurde dieses durch den umfangreichen Nachlass der Literatenfamilie Schücking, der dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde.

Der Nachlass umfasst vor allem Manuskripte, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Gemälde, Biedermeiermöbel und persönliche Gegenstände wie Alben, Autographen, frühe Fotografien bedeutender Persönlichkeiten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, bis zu 700 Jahre alte Urkunden und Siegel. Ebenso für die Forschung bedeutende Zeitdokumente, die in erster Linie von dem aus Sögel stammenden Schriftsteller Levin Schücking (1814 bis 1883) gesammelt worden waren.

Ende Januar nun stand auch die Schücking-Gesellschaft vor der Auflösung. Der Verein, der sich bundesweit mit den Werken und der Geschichte der im Emsland beheimateten Schriftstellerfamilie Schücking befasst hatte, genoss in ganz Deutschland großes Ansehen. Der Vorsitzende Gerd Gepp bedankte sich vor allem bei Heinz Thien, der mit seiner Arbeit bei allen literarischen Gesellschaften Deutschlands Anerkennung und Bewunderung erlangte.

Nachdem sich das Ende „Arbeitsmuseum" abzeichnete, hatte die Schücking-Nachlassverwalterin Annette Schücking-Homeyer alle Leihgaben im Frühjahr des vergangenen Jahres abgezogen. Der verbliebene Bestand der Gesellschaft wurde im Dezember 2002 in rund 100 Kisten verpackt und aus dem Museum geholt. Einstimmig sprach sich jetzt die Auflösungsversammlung dafür aus, den Fundus - entsprechend der Vereinssatzung - der Gemeinde Sögel als Schenkung zu überlassen. Mit dem Ende des Museums und der Literaturgesellschaft gehören auch Streitigkeiten mit der Kommune und dem Landkreis der Vergangenheit an. Vorsitzender Gepp fand versöhnliche Töne, und ließ die im Vorfeld der Versammlung genannte Begründung, dass niemand im Emsland, weder der Landkreis noch die Ge
meinde Sögel, das Museum haben wolle, fallen und nannte als Auflösungsgrund Geldmangel.

„Die investierten Sponsorengelder sind nicht vergeudet, sondern eine Investition auf unbestimmte Zeit", sagte Gepp abschließend.

wippingen.de

Auflösung der Schücking-Gesellschaft

19.01.2003

Ein Versuch im Emsland Literatur zu pflegen und wissenschaftlich bedeutenden Autoren aus unserer Region näher zukommen, wurde gestern beendet. Die Schücking-Gesellschaft Sögel löste sich gestern offiziell auf.

Eine negative Überraschung gab es noch zum Schluß: Die Schücking-Gesellschaft hatte vor, den Bestand ihres Archivs dem Heimatverein Sögel zu schenken. Ging man doch davon aus, dass die Erinnerung an den einzigen Großschriftsteller aus Sögel durchaus im Interesse des Heimatvereins sei. Zwei Vertreter des Heimatvereins lehnten sie Schenkung aber in einer Stellungnahme ab. Der Gesellschaft bleibt wohl nur noch, den wertvollen Besitz der Gemeinde Sögel zu schenken, in der Hoffnung, dass sie einen gebührenden Umgang damit findet. Die Internet-Plattform der Gesellschaft bleibt bestehen.
Bericht des Präsidenten der literarischen Schücking Gesellschaft, Gerd Gepp auf der Mitgliederversammlung am 18.1.2003...

Die Schücking-Gesllschaft hat unter anderem die Schücking-Novelle "Die Wippinger Thekla" neu herausgegeben. Diese Novelle wurde jetzt für das Theater bearbeitet und wird im März unter dem Titel "Das Mädchen vom Theikenhof" in Sögel uraufgeführt (mehr dazu demnächst).  jdm

Der Wecker vom 18.01.2003

Aus für Schücking-Gesellschaft

Nach Museumsschließung jetzt auch Trägerverein aufgelöst

SÖGEL.

Nach der Schließung des Schücking-Museums in Sögel stand gestern das Aus für die ganze Schücking-Gesellschaft zur Debatte. Nicht nur das: Gegen 17.45 Uhr wurde von der Mitgliederversammlung die Auflösung einstimmig beschlossen.

Der Verein, der sich seit 1997 mit den Werken sowie der Geschichte der im Emsland beheimateten Schriftstellerfamilie beschäftigte, genoss bundesweit Ansehen. Aus Geldnot musste das Museum bereits im vergangenen Jahr geschlossen werden.

-je

 

Literarisches Lebenswerk in 100 Kartons - Museum zur Erinnerung an

Ein Lebenswerk in 100 Kartons

Sögeler Schücking-Gesellschaft steht vor der Auflösung

Leserbrief zu Ihrem Artikel im „forum“:

Sögeler Eulenspiegeleien oder Es war einmal ein Schücking-Museum

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„Ein Sterben auf Raten akzeptieren wir nicht"

Asyl am Bodensee?

Museumsleiter Thien wirft das Handtuch

Ist am Aschermittwoch für das Museum alles vorbei?

Ems-Zeitung 09.02.2002

Schücking-Museum:

Heinz Thien wirft das Handtuch

Sögel (kd)

„Nie zuvor ist mir eine Entscheidung schwerer gefallen als diese. Angesichts der entsetzlichen Situation des Schücking-Museums und meiner Person muss ich das Museum und die Arbeit dort aufgeben." Mit diesen Worten hat Heinz Thien gestern einen Schlussstrich unter sein Engagement zum Aufbau eines Schücking-Museums in Sögel gezogen. Die Arbeit in dem Museum mit seinem inzwischen sehr umfangreichen Arbeitsarchiv habe ihm viel Freude bereitet, und er werde die Schücking-Forschung, die er immerhin seit mehr als zwölf Jahren betreibe, auch nicht aufgeben,' sondern privat fortrühren, teilte Thien mit. Vor rund fünf Jahren war in Sögel an der Schlaunallee ein Museum eingerichtet worden, das an den Publizisten und Literaten Levin Schücking (1814-1883) erinnern sollte. Gewinnen für das Haus konnte die örtliche Schücking-Gesellschaft auch einen Teil des Nachlasses des Schriftstellers, der seine Jugend in Sögel verbracht hatte.

Geldhahn bleibt zugedreht: Chancen für Museum sinken

Großes Geschenk für das Emsland

Geht der größte Sohn Sögels?

Kein Literat für die Vitrine - Levin-Schücking-Museum im Emsland vor dem Aus

Kein Literat für die Vitrine

Schließung des Schücking-Museums droht

"Die müssen nicht um Würdigung betteln"

Gepp-Vorschlag: Exponate von Schücking ins Schloss

„Das Schücking-Museum ist ein großes Geschenk für das Emsland"

Levin-Schücking-Museum im Emsland steht vor dem Aus

Jahreshauptversammlung

"Das Schücking-Museum ist ein Werbeträger"

Offener Brief von Schiicking-Museumsleiter Heinz Thien an Landrat Hermann Bröring

Tage des Museums sind gezählt

Schücking-Haus in Sögel steht vor dem Aus

Engelke: Aus dem Leben eines jungen Sinti-Boxers

Zur Siegerehrung nach Hannover

Historische Bücherschätze im Internet gefunden!

"70 Schücking-Schätze via Internet entdeckt"

Das Internet machts möglich

Funde auf dem Datenhighway

 

 

 

 

 

 


Ems-Zeitung  vom 20.01.2003

Schücking-Fundus fällt als Schenkung der Gemeinde zu

Auflösung der Literarischen Gesellschaft vollzogen

Sögel (kd)

Ihre Auflösung beschlossen hat die Sögeler Schücking-Gesellschaft. Der archivarische Bestand der Literaturgesellschaft fällt als Schenkung der Gemeinde zu. Mit der Entscheidung der Mitgliederversammlung am Wochenende wurde nach knapp sechsjährigem Bestehen auch offiziell das Ende des Schücking-Museums der Hümmlingkommune besiegelt.

Die über die Jahre eingesetzten Geldmittel seien „keineswegs vergeudet, sondern eine Investition in eine - wenn auch - unbestimmte Zukunft". Über den Tag der Auflösung der Sögeler Schücking-Gesellschaft hinaus hoffte deren Präsident, Gerd Gepp, dass auf dem Hümmling das Lebenswerk des Schriftstellers und Publizisten Levin Schücking (1814-1883) weiter in lebendiger Erinnerung bliebe. Und: Er sei „angetreten, um Frieden zu schaffen" . Es müsse ein Schlussstrich unter die Querelen zwischen Schücking-Gesellschaft auf der einen und Gemeinde beziehungsweise Landkreis auf der anderen Seite gezogen werden.

In seinem ausführlichen Abschlussbericht schlug Gepp denn auch versöhnliche Töne an. Breiten Raum nahm sein Dank an alle Förderer ein. „Der weitaus größte Dank gehört der Gemeinde Sögel, die seit 1997 gewaltige finanzielle Anstrengungen für das Museum getätigt hat", hob Gepp hervor, und schloss ferner Landkreis, Stiftungen, Arbeitsamt und private Gönner in seine Dankesworte ein. Letztlich sei dennoch alles am fehlenden Geld, speziell für die Personalkosten gescheitert.

Die Ausrührungen von Gepp verdienten Respekt, sagte Bürgermeister Heiner Wellenbrock, selbst Mitglied der Schücking-Gesellschaft. "Mit Befremden habe er jedoch im , Vorfeld der Versammlung die Begründung des Vorstandes zur Auflösung der Literaturgesellschaft aufgenommen. Darin harte der Präsident (wie berichtet) geäußert, dass niemand im Emsland, weder der Landkreis noch die Gemeinde Sögel, das Schücking-Museum haben wolle. Er habe damit seine persönlichen Empfindungen unter dem Eindruck des Gespräches beim Landkreis im März 2000 wiedergegeben, räumte Gepp ein, der im Übrigen auf eine Verlesung der „alten" Antragsbegründungen zur Auflösung der Literaturgesellschaft verzichtete.

Bestand in 100 Kartons verpackt

Generell ließ er das nach seinen Worten „Ursache-Wirkungsgeflecht" außen vor, das zur Schließung des Museums geführt habe. Darüber sei umfassend in den Medien berichtet worden, und „neue Argumente gibt es nicht". Unbestritten sei die große Ausstrahlung, die das Sögeler Arbeitsmuseum unter Wissenschaftlern und Literaturfreunden bundesweit erfahren habe. Seit der Einweihung im Mai 1997 hätten mehrere Literarische Gesellschaften den Weg auf den Hümmling gefunden und im Rahmen ihrer Tagungen stets Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den Leistungen der Schücking-Gesellschaft geäußert. Zwei Jahrbücher, zahlreiche Publikationen sowie die Neuherausgabe des Schücking-Werkes „Wippin-ger Thekla" nannte Gepp als weitere Akzente in der kurzen Geschichte von Schücking-Gesellschaft und Museum, die entscheidend mitgeprägt worden sei vom ehemaligen Museumsleiter Heinz Thien, mithin „einer der umfassendsten Kenner des Evres von Levin Schücking".

Nachdem sich das Ende des Projektes „Arbeitsmuseum" abzeichnete, habe die Schü-cking-Nachlassverwalterin, Annette Schücking-Homeyer, alle Leihgaben im Frühj ahr vergangenen Jahres abgezogen, berichtete Gepp weiter. Der Bestand der Gesellschaft wurde im Dezember in rund 100 Kartons verpackt und aus dem Museum geräumt.

Einstimmig sprach sich die Auflösungsversammlung, zu der ein knappes Dutzend der rund 100 Mitglieder der Schücking-Gesellschaft im Heuerhaus des Heimathofes zusammengekommen war, dafür aus, den Fundus - entsprechend der Vereinssatzung- der Gemeinde Sögel als Schenkung zu überlassen. Heimatforscher und Autor Holger Lemmermann bot sich als ehemaliges Vorstandsmitglied der Schücking-Gesellschaft an, die Kommune bei der Suche nach neuen Möglichkeiten zur Nutzung des Materials, das aus antiquarischen Büchern, Kopien aller Werke von Levin Schücking und Ausstellungsstücken besteht, unterstützen zu wollen.


SAT1-online vom 14.01.2003

Literarisches Lebenswerk in 100 Kartons - Museum zur Erinnerung an

Sögel (ddp-nrd).

Das Ende des einzigen Literaturmuseums im Nordwesten ist besiegelt. «Ich habe den Nachlass von Levin Schücking in 100 Kartons verstaut», sagt Museumsinitiator Heinz Thien im emsländischen Sögel. Auch die von ihm initiierte Schücking-Gesellschaft steht vor ihrer Auflösung. In Sögel war Heinz Thien vor 13 Jahren auf das Lebenswerk des fast vergessenen Levin Schücking (1814-1883) gestoßen, der immerhin als Gründer des deutschen Feuilletons gilt und die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt hat. Jetzt hat Geldnot das Museum und die Gesellschaft in Niedersachsen ins Aus getrieben. Zur Erinnerung an den aus Sögel stammenden Schücking hatte Thien ein Forschungsarchiv aufgebaut. 1997 eröffnete er ein Museum. Der heute 57-Jährige trug mehr als 150 Bücher zusammen, darunter eine seltene Erstauflage des Schücking-Romans «Die Ritterbürtigen» von 1848. Die Sammlung umfasst außerdem Manuskripte, Zeitschriften, Zeitungen, Gemälde, Urkunden, Siegel, Biedermeiermöbel, Fotografien und andere persönliche Gegenstände aus dem Schücking-Nachlass. In akribischer Arbeit rief Thien die Bedeutung Schückings in Erinnerung, der sich als Entdecker und maßgeblicher Förderer der Autorin Annette von Droste-Hülshoff hervortat. Zudem schrieb Schücking mehr als 200 Romane, Novellen, Dramen und wissenschaftliche Werke sowie zahlreiche Gedichte, Zeitungsbeiträge und Rezensionen. Als liberaler Journalist setzte er sich bereits 1845 für die Pressefreiheit und die Emanzipation von Frauen ein. 1848 nahm er als publizistischer Beobachter und Kommentator an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil. Anschließend betätigte sich Schücking als erster Biograf des Präsidenten der Nationalversammlung, Heinrich von Gagern. Darüber hinaus pflegte er Kontakte zu Heinrich Heine und Friedrich Engels. Im Brockhaus hieß es ab 1854: «Die Romane Schückings gehören anerkanntermaßen zu den besten, welche die deutsche Literatur hervorgebracht hat.» Die Erfolgslisten der Leihbibliotheken aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wiesen ihn ebenfalls als einen der meistgelesenen Autoren aus. «Wir haben kein Geld, um das Museum zu finanzieren», begründet der Vorsitzende der Schücking-Gesellschaft, Gerd Gepp, das Aus der Einrichtung. Am kommenden Samstag werde sich auch die Gesellschaft selbst in einer letzten Mitgliederversammlung auflösen. Der Nachlass solle dem Sögeler Heimatverein als Schenkung übertragen werden, kündigt Gepp an. Der Verein verpflichte sich, das zusammenzuhalten. Für interessierte Wissenschaftler werde Mitte 2004 ein Forschungsarchiv im frei werdenden Rathaus des Ortes eingerichtet. Bis dahin soll ein Rathaus-Neubau in Sögel bezugsfertig sein. Das bisher als Museum dienende Gebäude an der Schlaunallee soll unterdessen der Emsländischen Landschaft zur Verfügung gestellt werden. Der Kulturverband werde am 1. Februar einziehen, sagt Sögels stellvertretender Verwaltungsdirektor Günter Wigbers. Ein neues Projekt solle den Tourismus fördern und Marketingaufgaben für das örtliche Jagdschloss Clemenswerth übernehmen, erläutert Wigbers. Auf Levin Schücking wird hier dann nichts mehr hinweisen. ddp/pnw/mcb


Sonntags Report vom 12.01.2003

Emsländische Landschaft zieht mit neuem Projekt in ausgeräumtes Schücking-Museum ein

Ein Lebenswerk in 100 Kartons

Sögel.

Das Ende des einzigen Literaturmuseums im westlichen Niedersachsen ist besiegelt. „Ich habe den Nachlass von Levin Schücking in 100 Kartons verstaut", sagt Museumsinitiator Heinz Thien. Auch die von ihm ins Leben gerufene Schücking-Gesellschaft steht vor ihrer Auflösung. Auf einer letzten Mitgliederversammlung am kommenden Sonnabend um 16.00 Uhr im Heuerhaus neben dem Heimathof soll ein entsprechender Beschluss gefasst werden, Tdindigte der Präsident der Gesellschaft, Gerd Gepp, dem SR gegenüber an.

Derweil steht bereits fest, wie das ausgeräumte Museum an der Schlaunallee genutzt werden soll. Das Gebäude wird der Emsländischen Landschaft zur Verfügung gestellt, sagt Sögels stellvertretender Gemeindedirektor Günter Wigbers. Demnach zieht der Kulturverband am l. Februar mit zwei Mitarbeitern an, die ein neues Projekt anschieben sollen. Die • Mitarbeiter widmen sich der Förderung des Tourismus und der Vermarktung des Jagdschlosses Clemenswerth, so Wigbers.

Unterdessen zieht Gerd Gepp einen Schlussstrich. „Wir haben kein Geld, um das Schücking-Museum zu finanzieren", sagt Gepp. Trotz der Auflösung der Schücking-Gesellschaft solle ein Archiv zum Lebenswerk des bedeutenden Literaten aufrecht erhalten werden. Der Nachlass solle dem Sögeler Heimatverein als Schenkung übertragen werden, kündigt Gepp an. Der Verein verpflichte sich, den Nachlass zusammen zu halten. Holger Lemmermann übernehme die Betreuung. Für interessierte Literatur-Wissenschaftler werde Mitte 2004 ein Forschungsarchiv im frei werdenden Rathaus eingerichtet. Bis dahin soll der Rathaus-Neubau in Sögel bezugsfertig sein.

In diesen Räumen wird dann das Lebenswerk des fast vergessenen Levin Schücking (1814-1883) aufbewahrt, das der 57-Jährige Heinz Thien m akribischer Kleinarbeit zusammentrug. Die Sammlung umfasst mehr als 150 Bücher, darunter eine seltene Erstauflage des Romans „Die Ritterbürtigen" von 1848, sowie Manuskripte, Gemälde, Zeitungen, Zeitschriften, Urkunden, Siegel, Biedermeiermöbel, Fotografien und andere persönliche Gegenstände aus dem Nachlass des bedeutenden Literaten.

Der aus Sögel stammende Schücking gilt als Gründer des deutschen Feuilletons. Die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts hatte er entscheidend mitgeprägt. Er tat sich als Entdecker und maßgeblicher Förderer der Autorin Annette von Droste-Hülshoff hervor und schrieb mehr als 200 Romane, Novellen, Dramen, wissenschaftliche Werke sowie zahlreiche Gedichte, Zeitungsbeiträge und Rezensionen. Als liberaler Journalist setzte er sich bereits 1845 für die Pressefreiheit und die Emanzipation von Frauen ein. 1848 nahm er als publizistischer Beobachter und Kommentator an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil. Auch als erster Biograf des Präsidenten der Nationalversammlung, Heinrich von Gagern, war er tätig. Darüber hinaus pflegte er Kontakte zu Heinrich Heine und Friedrich Engels. Im Brockhaus hieß es ab 1854: „Die Romane Schückings gehören anerkanntermaßen zu den besten, welche die deutsche Literatur hervorgebracht hat." Die Dokumentation dieser herausragenden Leistungen ist nun in den Kartons verschwunden. „In späterer Zeit kann vielleicht wieder mehr daraus werden", sagt Gerd Gepp.

Holger Szyska


Ems-Zeitung vom 08.01.2003

Sögeler Schücking-Gesellschaft steht vor der Auflösung

Präsident Gerd Gepp: Fundus als Schenkung an den Heimatverein - Aus Museum könnte Literatur-Archiv werden

Von Klaus Dieckmann
Sögel

Der Vorstand der Literarischen Schücking-Gesellschaft wird den Mitgliedern auf der Generalversammlung am 18. Januar das Auflösen der Gesellschaft und die Schließung des Schücking-Museums empfehlen. Damit dürfte nach knapp sechs Jahren Existenz der Schlussstrich unter das Kapitel ,,Schücking-Museum" in Sögel gezogen werden.

Die Einrichtung an der Schlaunallee 3 war im Mai 1997 eingeweiht worden. Als ,,neue wichtige Adresse in der reichhaltigen Kulturlandschaft der Gemeinde Sögel" begrüßte seinerzeit Bürgermeister Heiner Wellenbrock das Museum. Schon bald allerdings hatte das Haus mit Finanzproblemen zu kämpfen, vor allem beim Erhalt der Stelle des Museumsleiters, die Heinz Thien in Personalunion als Geschäftsführer der Schücking-Gesellschaft ausfüllte.

Nachdem der Landkreis Emsland Anfang des Jahres 2000 der Schücking-Gesellschaft als Trägerin des Museums mit einem ,,einmaligen Notzuschuss" unter die Arme gegriffen hatte, konnte in der Folgezeit zwischen Literaturgesellschaft auf der einen sowie Kreis und Gemeinde Sögel auf der anderen Seite keine Einigung über künftige Ausrichtung und Gestaltung der musealen Einrichtung erzielt werden. Schließlich versiegten schrittweise die kommunalen Zuwendungen, die sich in erster Linie als Sachzuschüsse darstellten. Die Förderung einer Personalsstelle könne aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht erfolgen, hieß es im Übrigen.

,,Eigentlich hätte ich bereits im März 2000 die Auflösung der Schücking-Gesellschaft beantragen müssen", blickte indessen Präsident Gerd Gepp auf diese Phase der Museumsgeschichte zurück. Denn nach einem ,,intensiven Gespräch" mit dem damaligen Oberkreisdirektor und heutigenLandrat, Hermann Bröring, in der Kreisverwaltung in Meppen sei ihm klar geworden, ,,dass das Schücking-Museum niemand im Emsland haben will, weder der Landkreis noch die Gemeinde Sögel". So habe keine der im Kreisgebiet ansässigen Stiftungen für eine finanzielle Unterstützung gewonnen werden können. Und ebenfalls die Lingener Alexander-Wisniewsky-Stiftung, die über zwei Jahre Mittel bereitgestellt hatte, versagte eine weitere Förderung.

Entscheidendes Motiv, die Auflösung der Literaturgesellschaft nicht schon vor knapp drei Jahren zu beantragen, sei maßgeblich die ,,Achtung und Wertschätzung vor der außerordentlichen Leistung von Heinz Thien gewesen", unterstrich Gepp das große Engagement des ehemaligen Museumsleiters. Auch habe er gehofft, doch noch Unterstützung für das Haus finden zu können. Als dann jedoch die Nachlassverwalterin des Erbes von Levin Schücking, Annette Schücking-Homeyer aus dem westfälischen Sassenberg, im Frühjahr vergangenen Jahres ihre Leihgaben zurückforderte, war das ,,Aus" für das Museum endgültig besiegelt.

Zum Verbleib einiger hundert, zum Teil wertvoller und kostbarer Bücher, die Museumsleiter Thien für das Literaturmuseum erworben hatte, schlägt Gerd Gepp der Mitgliederversammlung vor, diese Werke dem Sögeler Heimatverein zu überlassen. Die Schenkung solle mit der Auflage verbunden werden, dass ,,das gesamte Ensemble nicht auseinander gerissen werden darf." Vielleicht ließe sich für den Bestand auch eine Räumlichkeit im neuen Rathaus der Gemeinde Sögel im Ludmillenhof finden. So könne aus dem Schücking-Museum ein ,,Schücking-Archiv" werden, das allen offen stehen solle, die an dem Lebenswerk von Levin Schücking (1814 - 1883) interessiert seien. Der Publizist und Schriftsteller, der rund 200 Novellen, Dramen und Romane verfasst hat, wurde am 6. September 1814 in Meppen geboren und verbrachte bekanntlich seine Kindheit bis zum fünfzehnten Lebensjahr in Sögel.

Die Entscheidung über den weiteren Weg der Schücking-Gesellschaft werden die rund 100 Mitglieder auf der Generalversammlung am Samstag, 18. Januar, im Heuerhaus des Sögeler Heimathofes zu treffen haben. Alternativen dürfte es zu den Vorschlägen des Vorstands jedoch kaum geben. Und Präsident Gerd Gepp warb denn auch für die aufgezeigte Linie mit den Worten, dass ,,auf diese Weise das Beste aus einer mittlerweile gänzlich verfahrenen Situation gemacht werden kann."


Leserbrief zum Artikel im forum 4/2002

Leserbrief zu Ihrem Artikel im „forum“:

Sögeler Eulenspiegeleien oder Es war einmal ein Schücking-Museum

Der „Bericht“ der Frau Monika Eden widerspiegelt eine völlige Verkennung der Ereignisse rund um das literarische Schücking-Museum. Mit ordentlicher journalistischer Recherche hat der Artikel „Sögeler Eulenspiegeleien oder Es war einmal ein Schücking-Museum“ nun wirklich nichts zu tun!

Abgesehen davon sind „Eulenspiegeleien“ doch wohl intelligente Satire. Der Umgang einiger Kommunalpolitiker und des emsländischen Landrates Hermann Bröring mit Kulturarbeit im Emsland hat doch eher etwas mit „Schilda“, mit der Unfähigkeit über den provinziellen Tellerrand hinauszuschauen, zu tun.

Wenn Monika Eden so detailliert Sögels stellvertretenden Gemeindedirektor Günther Wigbers in Sachen Literaturförderung bzw. Literaturmuseum zu Wort kommen lässt, ist dazu zu sagen, dass Herr Wigbers, obwohl er nur 30 Schritte neben dem Museum wohnt, in den ganzen Jahren noch nie einen Fuß in diese bundesweit gelobte Einrichtung gesetzt hat! Kein Wunder, war er doch bis Anfang des Jahres noch Angestellter des Landkreises. Und von allen dem Landrat direkt unterstellten Personen wurde das Schücking-Museum von Anfang an konsequent gemieden, sozusagen wie der Teufel das Weihwasser meidet…

Wenn Herr Wigbers jetzt in einer Literaturzeitschrift äußern darf, dass das Schücking-Museum der eigenen Streitlust von Heinz Thien zum Opfer gefallen ist, so wird hier doch etwas verwechselt – nämlich Streitlust mit ehrlichem Engagement!

Ich habe mich rund 12 Jahre lang für die Erinnerungsarbeit an den Literaten Levin Schücking und die Einrichtung des Schücking-Museums im Emsland eingesetzt, nie Streit gesucht, wohl aber mich gegen die Intrigen und Bösartigkeiten zu Lasten des Schücking-Museums in der mir möglichen und stets sachlichen Form gewehrt.

Hierbei ging es auch nicht, wie in dem Artikel von Frau Monika Eden suggeriert wird, um die Schaffung einer hauptamtlichen Stelle für den Museumsleiter, die von mir nie gefordert wurde!!! Die hauptamtliche Stelle wurde von Gemeinde und Schücking-Gesellschaft (ohne Zutun des Landkreises) geschaffen. Die übrigen Jahre und die letzten beiden Jahre, nach mutwilliger Kappung(!) der ABM-Maßnahme, machte ich alle Arbeiten ehrenamtlich ohne jede Bezahlung (sieben Tage in der Woche!) mit Führungen der Besucher und der Pflege der wissenschaftlichen Kontakte/Archivaufbau usw. Vieles bezahlte ich aus eigener Tasche.

Es ist auch falsch, dass die ABM-Stelle „auslief“, wie in dem Artikel von Frau Eden zu lesen. Ganz im Gegenteil: Das Arbeitsamt hatte nachweislich die Maßnahme bereits für ein weiteres Jahr weiter bewilligt und war ganz überrascht, dass der Zuschuß hierzu nicht von den übrigen Beteiligten aufgebracht werden konnte (durfte…).

Ich habe auch nicht abgelehnt, dass im Schloß Clemenswerth ein Schücking-Museum eingerichtet wird, sondern seit 7 Jahren angeboten wertvolles Inventar dem Schloß zur Verfügung zu stellen. Aber nicht mit der Folge einer Schließung des Schücking-Museums!!!

Sögel und das Emsland hätten Beides haben können!

Weiter hatte ich nicht „begonnen Gemeinde und Landkreis über die regionalen Wochenblätter anzuschießen“! Ich habe als Journalist lediglich die Presse über die Missstände im emsländischen Kulturbereich informiert. Und darüber haben nicht nur die „lokalen Wochenblätter“ berichtet, sondern bundesweit große seriöse Tageszeitungen sowie Literaturzeitschriften. Schücking-Literatur ist nämlich kein auf Dorfpoesie zu reduzierendes Thema.

Monika Eden und Herr Wigbers sind vollständig auf dem Holzweg, wenn sie meinen Ostern erschienenen Schelmenroman „Schelmuffsky lebt!“  als „Darstellung meiner Wahrnehmung der Ereignisse im Umfeld des Schücking-Museums“ bewerten. Dort geht es um die satirische Darstellung seltsam-provinzieller Politik und darum wie in der heutigen Gesellschaft ein selbstherrlicher „Potentat“ rücksichtslos  mit den Interessen „seines Volkes“ umspringt… Eden und Wigbers sollten das Buch lesen, nicht nur „anschauen“!

Das Schücking-Museum ist dem Unvermögen emsländischer Kommunalpolitiker und des Landrats zum Opfer gefallen. Wozu braucht das Emsland Kultur? Der Landrat lässt gerade jetzt (in Papenburg) das nächste Museum schließen…

Heinz Thien

www.heinz-thien.de

www.schelmuffsky.de

www.autorenlexikon-emsland.de

www.schuecking-museum.de

www.kunst-emsland.de

Mühlenstraße 3

49751 Sögel


Forum 4/2002

Sögeler Eulenspiegeleien oder Es war einmal ein Schücking-Museum

Im Mai 1997 wurde im Emsländischen Sögel, einer 7.000-Seelen-Gemeinde im Winkel von B 213 und B 70 zwischen Löningen, Meppen und Papenburg, einem bis zu diesem Zeitpunkt blinden Flecken auf der Landkarte der Niedersächsischen Literaturförderung, ein Literaturmuseum eröffnet, das Schücking-Museum Sögel. In der Trägerschaft der im selben Jahr gegründeten Schücking-Gesellschaft hatte es sich das Ziel gesetzt, den Nachlass des regional verwurzelten Schriftstellers und Journalisten Levin Schücking (1814–1883), dessen Name zumeist in einem Atemzug mit Annette von Droste-Hülshoff genannt wird, zu bewahren und zu erforschen.
Zur feierlichen Eröffnung reisten Gäste von weither an. Der Bürgermeister der Gemeinde Sögel, der das Amt des stellvertretenden Präsidenten der literarischen Gesellschaft übernahm, lobte das Projekt als »neue wichtige Adresse in Sögels reichhaltiger Kulturlandschaft« und sprach dem Initiator Heinz Thien seinen Dank und Anerkennung aus (laut Schücking-Jahrbuch 1998/99, S. 121). Die Gemeinde Sögel überließ das Gebäude, hatte im Vorfeld die Renovierungskosten getragen, immer wieder Mitarbeiter ihres Bauhofes für Baumaßnahmen zur Verfügung gestellt und verschiedene Einrichtungsgegenstände gestiftet. Der in Sögel lebende Bildhauer Albert Radke setzte dem regionalen Literaten ein steinernes Denkmal. Zahlreiche Firmen und Privatpersonen engagierten sich durch Geld- und Sachspenden. Dauerleihgaben vervollständigten den Ausstellungs und Archivbestand. Da hatte sich offenbar eine Region für ihren Schriftsteller und das ihm gewidmete Museum bekennend entschieden.

Zunächst eine Erfolgsgeschichte

Das bereits zitierte erste Schücking-Jahrbuch verzeichnete als Bilanz nach einem Jahr stolz die Besuche von Schulklassen sowie eine rege Nutzung des Archivs durch Studierende, Heimatforscher und Journalisten. Zum einjährigen Bestehen des Museums tagte die AG der literarischen Gesellschaften Westfalens in Sögel. Partnerschaften zu anderen Literaturgesellschaften konnten aufgebaut werden. Ganz deutlich war bei alledem die Tatsache, daß der Name des Museumsleiters und Geschäftsführers der Gesellschaft, Heinz Thien, untrennbar mit allen Aktivitäten und Erfolgen des Museums verbunden war. Die Schücking-Gesellschaft zählte zum Zeitpunkt der Drucklegung 83 Mitglieder. Im Frühjahr 1998 begann sie ein Veranstaltungsprogramm aus Lesungen und literaturwissenschaftlichen Vorträgen zu realisieren, um über die Möglichkeit zur Beschäftigung mit der regionalen Literaturgeschichte hinaus Interessierten ein Forum zur Begegnung mit zeitgenössischer Literatur zu eröffnen. Eine Erfolgsgeschichte. Soweit.

Und dann titelt die regionale Presse zum Jahresanfang 2002 plötzlich »Ein Museum sucht Asyl«, macht sich zum Sprachrohr der Sache des Heinz Thien und schildert ausführlich, warum jener gestern noch hochgelobte Initiator, Museumsleiter und Geschäftsführer der Gesellschaft unlängst ein »Opfer kommunalpolitischer Ränkespiele« geworden sei. Den Geldhahn habe man seinem Museum zugedreht, alle Versuche der Schücking-Gesellschaft, Fördergelder vom Landkreis zu erhalten, wären erfolglos geblieben. Von Anfang an unerwünscht sei das Museum auf Kreisebene gewesen und nicht für förderwürdig befunden, obgleich Thien sich zum Zeitpunkt, zu dem der Streit entbrannte, bereits seit mehr als einem Jahr ehrenamtlich für das Museum engagiert habe. Es kam zu offenen Briefen, Anschuldigungen und Diffamierungen, die bis hin zur Vereinbarung eines Redeverbotes hinsichtlich der Belange des Museums für Herrn Thien zwischen Gemeinde und Gesellschaft führen sollten. Der sorgte währenddessen dafür, daß die Öffentlichkeit über die Homepage des Museums seine Auseinandersetzungen mit Gemeinde und Landkreissozusagen live miterleben konnte.

Was geschah in Sögel?

Auf Nachfrage hin teilt Thien im Juli 2002 mit, das Museum sei endgültig geschlossen. Unter den gegebenen Umständen und den politischen Verhältnissen im Emsland habe er keinen anderen Ausweg gesehen. Den Nachlaß habe er an die Familie Schücking zurückgegeben. Die Sachen seien in Westfalen besser aufgehoben.Was mit dem übrigen Museumsbestand geschähe, sei noch nicht entschieden. Bestehen demnach konkrete Pläne für eine Präsentation in Westfalen? Zieht am Ende gar Herr Thien mitsamt des kompletten Museumsbestandes einfach nach Westfalen um? Oder hat er sich von der Idee, ein Schücking-Museum zu leiten, zu Gunsten seines neuesten Projektes, eines im Frühjahr erschienenen Schelmenromans mit der satirischen Darstellung seiner Wahrnehmung der Ereignisse im Umfeld des Schücking-Museums, verabschiedet?

Der Roman, so die Ankündigung des Verlags, gebe »aufschlußreiche Einblicke in die heutigen gesellschaftlichen Zustände in der deutschen Provinz«. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen seien leider nicht zu vermeiden gewesen. Der Sprecher des Landkreises schließt laut Aussage der Presse juristische Schritte gegen den Roman nicht aus. Und erneut weiden sich die regionalen Printmedien an dem kleinen Skandal um Heinz Thien. Will der Mann sich denn unbedingt streiten? Muß er denn immer eine möglichst große Öffentlichkeit für seine Auseinandersetzungen suchen? Ist ihm womöglich im Emsland tatsächlich Unrecht widerfahren?

Sögels stellvertretender Gemeindedirektor, Günther Wigbers, vordem Pressesprecher des Landkreises, urteilt, Heinz Thien und mit ihm das Schücking-Museum seien in der Tat dessen eigener Streitlust zum Opfer gefallen. Keinesfalls wolle er die engagierte Arbeit, die Thien für Sögel in Sachen Literaturförderung geleistet habe, in Frage stellen. Natürlich sei erst aus seinen Kontakten zur Familie Schücking und seinem engagierten Einsatz sowie auf der Grundlage seiner Sachkenntnis die Einrichtung eines Schücking-Museums möglich geworden. In Anerkennung und Wertschätzung dieser Vorarbeit habe die Gemeinde das aus zur Verfügung gestellt und umfangreiche Renovierungsarbeiten geleistet. Nur eine neue Planstelle für die hauptamtliche Leitung des Museums bzw. für die gleichzeitige Geschäftsführung der Schücking-Gesellschaft war weder im Budget der Gemeinde noch des Landkreises vorgesehen. Und auch das, so der Vertreter der Gemeinde, sei von Anfang an bekannt gewesen. Thien vereinte daher in seiner Person zwei Jahre lang beide Positionen auf der Grundlage einer von Gemeinde und Landkreis finanziell unterstützten ABM-Stelle.
Bereits im Zusammenhang mit der Bewilligung dieser ausdrücklich befristeten Maßnahme habe der Landkreis davor gewarnt, eine hauptamtliche Stelle einzurichten. Eine Einschätzung, die sich nach Ablauf der beiden Jahre bestätigte. Die ABM lief aus und wurde nicht neu bewilligt.

Immer wieder habe Thien es dann abgelehnt, das Museum in Räumlichkeiten auf dem Gelände des benachbarten Jagdschlosses Clemenswerth umziehen zu lassen und die damit verbundenen Vorteile zu nutzen: Vorhandenes Aufsichtspersonal, regelmäßige Öffnungszeiten, durch Alarmanlagen gesicherte Ausstellungsräume und vor allem eine erheblich größere Besucherfrequenz. Damit wären dann allerdings auch alle weiteren Verhandlungen um eine eigene Stelle für Geschäftsführung und Museumsleitung vom Tisch gewesen. Aus der Perspektive von Landkreis und Kommune sicher nicht der uninteressanteste Effekt. Aus der Perspektive von Heinz Thien untragbar, denn damit wäre die wissenschaftliche Bearbeitung des dann nur noch ausgestellten Nachlasses nicht mehr gewährleistetet gewesen.

Eine Kleinstadt ohne Museum

Etwa zu diesem Zeitpunkt habe Thien begonnen, über die regionalen Wochenblätter seine Geldgeber »anzuschießen«. Und auch unter Beschuß habe die Gemeinde noch lange zu ihm gehalten, sich dann aber doch schließlich als Financier nicht mehr öffentlich beschimpfen lassen mögen. Als Konsequenz wurde ihr bis zuletzt gezahlter Zuschuß »eingefroren«. Hätte Heinz Thien und hätte die Schücking-Gesellschaft im Interesse einer größeren Besucherfrequenz und um das Museum als Einrichtung zu erhalten seinem Umzug zustimmen müssen? Hätten Gemeinde und Landkreis einsehen müssen, daß ein Literaturmuseum mit angeschlossenem Archiv als Einrichtung mit einem klaren Arbeits- und Forschungsschwerpunkt per se nur eine kleine Gruppe von Interessierten anspricht und für die üblichen Besucher kulturhistorischer Museen nur von mäßigem Interesse sein dürfte? Und wenn Sie es eingesehen hätte? Woher das Geld für die Personalkosten eines hauptamtlichen Museumsleiters nehmen? Also ist das Schücking-Museum letztendlich doch nur ganz banal einem knappen Kulturhaushalt zum Opfer gefallen, denn erst an der Finanzierung einer hauptamtlichen Leitungsstelle bzw. an Zuschüssen für Projekte von Museum und Gesellschaft entbrannte offenbar der große Streit? Oder waren es doch die atmosphärischen Störungen, die eine weitere Zusammenarbeit unabhängig vom knappen Etat unmöglich gemacht hatten?

Bei all dem aufgewirbelten Dreck ist ein klarer Blick auf die Ereignisse um das Schücking-Museum kaum mehr möglich. Unterm Strich fällt aus dem Gelärm und Gezänk jedenfalls eine geschlossene Einrichtung der Literaturforschung und -förderung heraus. Kein Schücking-Museum mehr in Sögel. Kein Literaturarchiv, keine zeitgenössischen Literaturveranstaltungen. Und das ist zu bedauern.

P.S.: Virtuell existiert das Schücking-Museum weiter. Unter www.schuecking-museum.de findet nach wie vor die Homepage der Einrichtung – »Termine nach Vereinbarung«, heißt es da noch immer.

Monika Eden.


Der Wecker 17.02.2002

„Ein Sterben auf Raten akzeptieren wir nicht"

Sollte das Schücking-Museum schließen, fordern die Nachfahren die Exponate zurück

Von Garsten Ammermann

SÖGEL.

Die Schücking-Familie wird sich nicht in die politische Willensbildung zum Thema „Schücking-Museum in Sögel" einmischen. Das machte Prosper Schücking in einem Gespräch mit dem Wecker deutlich. „Sollte das Museum in der jetzigen Form mit der Möglichkeit der Literaturforschung nicht fortbestehen können, dann wollen wird die zur Verfügung gestellten Exponate zurückhaben", so Schücking.

.„Wir wollten durch das Museum in Sögel den Zugang zur deutschen Geschichte möglich machen und kein Gebäude auf rein musealischem Niveau", betonte der Nachfahre von Levin Schücking. Der Berliner bestätigte, dass die Gemeinde in letzter Zeit das Gespräch gesucht habe und unter anderem ein Zimmer für das Museum auf Schloss Clemenswerth oder im Ludmillenhof angeboten hat. „Diese Reduzierung stellt für uns keine Alternative dar. Ein Sterben auf Raten akzeptieren wir nicht", zeigte sich Schücking etwas verärgert über die zur Zeit geführte Diskussion. „Die Geschichte soll erlebbar bleiben. Wir wollen kein Museum, wo die Gäste nur die Exponate anschauen können." In diesem Zusammenhang machte Prosper Schücking deutlich, dass die Schückings die Museumsstücke zurückfordern werden. „Das Mobiliar kann ich dann besser in meine Wohnung in Berlin stellen", äußerte sich Schücking.

Doch dazu dürfte es bei einem Scheitern und der endgültigen Schließung des Schücking-Museums (siehe Stichwort: Schücking) nicht kommen. Denn der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat nach Informationen des Berliners bereits Interesse am Nachlass bekundet. Die Diskussion um den Fortbestand hat auch das Westfälische Literaturmuseum in Oelde auf den Plan gerufen. „Wir könnten das Material übernehmen", unterstreichte der wissenschaftliche Leiter Walter Gödden.

Ausdrücklich lobte der Levin -Nachkomme Prosper Schücking die Arbeit von Heinz Thien. Bis letzte Woche war Thien noch Leiter des Schückings-Museums. Aufgrund der Streitigkeiten mit der Gemeinde und mit dem Landkreis stellte er jetzt seinen Posten zur Verfügung. Die Forschung will er aber fortführen.

Stichwort Schücking

Sögel. Das Schücking-Museum in Sögel gehört zu den wenigen Literaturmuseen Deutschlands und ist das einzige im Nordwesten. Eröffnet wurde es am 25. Mai 1997. Aufbewahrt und präsentiert werden historische Exponate aus den vergangenen sieben Jahrhunderten, wobei deutsche Literaturgeschichte im Vordergrund steht. Ermöglicht wurde dies in erster Linie durch den umfangreichen Nachlass der Literatenfamilie Schücking, der dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde. Der Nachlass umfaßt vor allem Manuskripte, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Gemälde, Biedermeiermöbel und persönliche Gegenstände, Alben, Autographen, frühe Fotografien bedeutender Persönlichkeiten aus der Mittes des 19. Jahrhunderts, bis zu 700 Jahre alte Urkunden und Siegel sowie andere für die Forschung bedeutende Zeitdokumente, die in erster Linie von dem aus Sögel stammenden Schriftsteller Levin Schücking (1814-1883) gesammelt worden sind. Hinzugekommen sind Dauerleihgaben und Stiftungen, die dem Museum von anderen Sammlern übergeben wurden. Neben der Präsentation widmet sich das Museum in besonderer Weise der Literaturforschung und anderen damit verbundenen zeitgeschichtlichen Themen.

-ca


Der Wecker 10.02.2002

Museumsleiter Thien wirft das Handtuch

„Kampf fortzuführen, ist sinnlos"

Von Carsten Ammermann

SÖGEL.

In einem Brief an die Mitglieder der Schücking-Gesellschaft kündigt Museumsleiter Heinz Thien seinen Rücktritt an.

„Nie zuvor ist mir Entscheidung schwerer gefallen als diese. Angesichts der entsetzlichen Situation des Schü-cking-Museums und meiner Person muss ich das Museum und die Arbeit dort aufgeben", schreibt Thien. „Den jahrelange Kampf ums Schücking-Museum unter solchen Umständen fortzuführen, ist sinnlos und dient auch nicht mehr dem Andenken an Schücking", führt der Schücking-Experte aus.

Unterdessen gab es am Donnerstag ein erneutes Gespräch zwischen Vertretern der Gemeinde Sögel und Vorstandsmitgliedern der Schücking-Gesellschaft. Als „konstruktiv" bezeichnete Vorsitzender Gerd Gepp das Gespräch. „Wir müssen wieder Ruhe reinbringen" , führte Gepp aus.

Fast zwei Stunden sollen die Vertreter die Situation erörtert haben. Wie berichtet, steckt das Museum in finanziellen Schwierigkeiten. Seit Wochen ist das Haus im Herzen Sögels geschlossen.

Weder der Vorsitzende der Schücking-Gesellschaft noch Günter Wigbers, stellvertretender Verwaltungschef der Samtgmeinde, wollten Einzelheiten aus dem Gespräch nennen. „Wir haben Stillschweigen vereinbart", heißt es.

Unklar ist zurzeit, was mit den Exponaten passiert, die die Familie Schücking dem Museum zur Verfügung gestellt hat. In seinem Brief jedenfalls spricht Thien der Familie die Empfehlung aus, die Leihgaben zurück zu verlangen. „Obwohl ich selber Emsländer bin, halte ich es für unverantwortlich, dieses wertvolle Kulturgut länger im Emsland zu belassen."


Südkurier  14.02.2002

Asyl am Bodensee?

Blick ins Emsland: Schückingmuseum schließt und sucht

Zu Lebzeiten galt er. der Literat Levin Schücking (1814-1883), als einer der bedeutendsten und gefragtesten Kulturkritiker in Deutschland. Er gründete das moderne Zeitungsfeuilleton nach französischem Vorbild und ist in der Literaturgeschichte vor allem als Entdecker und Förderer der Annette von Droste-Hülshoff bekannt geblieben. Böse Stimmen behaupten sogar, dass die zuletzt in Meersburg lebende und arbeitende Droste schwer in ihn verliebt war.

Als liberaldemokratischer kritischer Publizist war Schücking aktiv an den revolutionären Ereignissen 1848 und in der Frankfurter Paulskirche beteiligt und hatte bereits Jahre vorher (1845) öffentlich Meinungs-, Pressefreiheit und Frauenemanzipation die Verschwendung an den und habsburgischen Höfen in der Presse und in seinen Büchern angeprangert. Von ihm selber sind rund 200 Romane, Novellen, Dramen, zahlreiche Gedichte und unzählige Rezensionen bekannt. 118 Jahre nach seinem Tod wurde das ihm gewidmete Schücking-Museum im emsländischen Sögel ein Opfer kommunalpolitischer Ränkespiele. Nun sucht das Museum einen neuen Standort. Dabei ist auch schon die Region Bodensee genannt worden.

Vielleicht bekommt das Museum ja Asyl in Westfalen, Köln oder am Bodensee.

Museumsleiter Heinz Thien, der das Schücking-Museum 1996 in Levin Schückings Heimatort Sögel initiiert und mit Hilfe des umfangreichen Schücking-Nachlasses eingerichtet hatte, im Laufe der Jahre ein bundesweit gelobtes Forschungsarchiv aufbaute, gibt auf.

Gleichzeitig empfahl er der Familie Schücking, den Schücking-Nachlass, darunter wertvolle Urkunden und Siegel von Rubens bis Maria Theresia, Bücher, Originalmanuskripte aus 6 Jahrhunderten, zurück zu fordern.

Das Schücking-Museum war beim Landkreis und dem zuständigen Kulturamt von Beginn an unerwünscht. Bis auf den heutigen Tag mieden die Vertreter der Kreisverwaltung, allen voran Landrat Hermann Brönng, das Museum. Bröring war wohl an der Übernahme der historisch wertvollen Exponate für das benachbarte kreiseigene Jagdschloss Clemenswerth interessiert, nicht aber an einer Förderung des Arbeitsmuseums. Der Landrat erst vor einem Jahr: „Herr Thien, lassen Sie das Schücking-Museum ..." Und die bundesweit organisierte literarische Schücking-Gesellschaft als Träger des Museums musste erfolglos bleiben mit ihren Versuchen, Fördertöpfe im Landkreis anzuzapfen. Die Kulturpolitik und -förderung befindet sich links und rechts der Ems fest in den Händen des im Meppener Kreishaus residierenden Landrates Hermann Bröring und seines Kulturamtes.

Aktueller Anlass für einen Rundumschlag gegen Museumsleiter Thien und das Schücking-Museum war ein „Offener Brief Thiens in der Presse, in dem dieser eine Presseveröffentlichung des Landkreises kritisiert und falsches Zahlenmaterial richtig gestellt hatte. Bereits vor Veröffentlichung des „Offenen Briefes" versuchten der Sögeler Bürgermeister Heiner Wellenbrock und ein Vertreter des Landkreises, Thien von dieser Stellungnahme in der Presse abzuhalten. Das sei „tödlich für das Museum" und Thien werde sich damit selber seine eigene Zukunft verbauen. Der ehemalige Ostasienkorrespondent und Jourmalist Heinz Thien ließ sich nicht beeindrucken. Zwei Tage später stand der „Offene Brief in der Lokalzeitung und landete gleichzeitig im E-Mail-Postfach des Landrates!

Bürgermeister Wellenbrock teilte wütend mit, dass der bisher von der Gemeinde jährlich gezahlte Zuschuss in Höhe von 2500 Euro nun gestrichen sei und es mit der von der Schücking-Gesellschaft beim Arbeitsamt beantragten ABM-Maßnahme für den Museumsleiter nun auch nichts mehr werde. Die aus Richtung Landrat unter Druck geratene CDU-Mehrheitsfraktion des Sögeler Rates strich den Zuschuss einstimmig und suchte im Schulterschluss mit dem Landkreis, den Vorstand der Schücking-Gesellschaft zu einem „Maulkorberlass" für den Museumsleiter zu bewegen.

Hinter Thiens und der Schücking-Familie Rücken wurden bereits Gespräche zur „Übernahme" der im Schücking-Museum befindlichen Exponate ins kreiseigene Jagdschloss und damit Auflösung des Schücking-Museums geführt. Schon war auch die Rede davon, der Schücking-Gesellschaft das gemeindeeigene Museumsgebäude für den bedeutendsten Literaten des Emslandes zu entziehen.

Thien sucht jetzt einen anderen Standort für das Museum: „Vielleicht bekommt es ja Asyl in Westfalen, Köln oder am Bodensee, Gegenden, die mit ihm ebenfalls eng verbunden sind. Die Westfälische Literaturkommisssion. so ihr Leiter Dr. Gödden in Münster, wäre jedenfalls gerne bereit, ein Thien-Schücking-Archiv einzurichten, auch in Würdigung der Verdienste Heinz Thiens um die Schücking-Forschung und um diesem die Weiterführung seiner erfolgreichen Tätigkeit zu erleichtern.

mam

@  Infos im Internet:

www.schuecking-museum.de


SonntagsReport 10.02.2002

Westfälisches Literaturarchiv zeigt Interesse am Sögeier Schücking-Nachlass

Ist am Aschermittwoch für das Museum alles vorbei?

Sögel. Die Zukunft des einzigen Literaturmuseums im westlichen Niedersachsen entscheidet sich womöglich am Aschermittwoch. Dann tagt der Vorstand der Schücking-Gesellschaft. Einziger Tagesordnungspunkt: Der Fortbestand des Schücking-Museums mit Forschungsarchiv in Sögel.

Nachdem sich der Vorstand der Schücking-Gesellschaft am vergangenen Donnerstag mit fünf Vertretern der Gemeinde Sögel getroffen hatte, sah ihr Vorsitzender Gerd Gepp noch Verhandlungsspielraum. „Die Gemeinde sieht den Wert und bekennt ihr grundsätzliches Interesse am Museum. Dieses Bekenntnis war uns ganz wichtig", sagte Gepp. Allerdings müssten die Angebote der Gemeinde „nochmal diskutiert werden". In diesem Zusammenhang sei auch die Frage zu klären, wie mit Museumsinitiator Heinz Thien umgegangen wird. Zu näheren Details wollte sich Gepp nicht äußern: „Wir haben Stillschweigen vereinbart, um neues Vertrauen aufzubauen." Ein weiteres Gespräch mit Vertretern der Gemeinde solle folgen, bevor das Thema im Rat erörtert werde. Die CDU-Mehrheitsfraktion hatte kürzlich entschieden, dem Museum vorerst den Geldhahn zuzudrehen. Bislang waren jährlich rund 2.500 Euro gezahlt worden. Unterdessen meldet das Westfälische Literaturmuseum in Oelde sein Interesse an Heinz Thiens Forschung über das Wirken des aus Sögel stammenden Literaten Levin Schücking an. „Wir könnten das Material übernehmen", sagte der wissenschaftliche Leiter Walter Gödden. Für die Einrichtung eines Museums fehlten aber kurzfristig die Logistik und die geeigneten Räumlichkeiten. Zur Situation in Sögel sagte Gödden: „Das ist erschütternd."

Ähnlich äußert sich noch einmal Heinz Thien in einem dem SR vorliegenden Brief an die Mitglieder der Schücking-Gesellschaft. „Mit zahlreichen falschen Behauptungen wurde und wird Stimmung gegen mich persönlich gemacht", schreibt Thien. Außerdem empfiehlt der Museumsinitiator den Nachfahren Levin Schückings, „angesichts dieser Ignoranz" ihre Leihgaben zurück zu verlangen.

Holger Szyska


Emsland-Kurier  03.02.2002

Schücking-Gesellschaft trifft sich zur Mitgliederversammlung

Großes Geschenk für das Emsland

Sögel (rs)

„Mit dem Schücking-Museum hat die gleichnamige Schücking-Gesellschaft seit ihrer Gründung 1997 sehr an Ansehen gewonnen", so die Worte ihres Präsidenten Gerd Gepp im Tätigkeitsbericht für die Zeit von 1999 bis 2001 während der Mitgliederversammlung im Heuerhaus des Sögeler Heimathofs. Doch jetzt scheint der Fortbestand gefährdet zu sein.

„Wert und Bedeutung des literarischen Schücking-Museums werden außerhalb des Emslandes klarer erkannt als in der Region", meint Gepp. Die große Anerkennung des Museums bei fast allen der 125 literarischen Gesellschaften in Deutschland verdanke die Gesellschaft dem Museumsleiter Heinz Thien, der bedingt durch finanzielle Engpässe am 1 .Dezember 2000 entlassen werden musste. Bis dahin sei er für die Forschungs- und Museumsarbeit engagiert tätig gewesen.

Trotz finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Söget, die Alexander-Wisniewsky-Stiftung in Lingen, den Landkreis Emsland und privater Förderer sind und bleiben die Personalkosten ein großes und drückendes Problem für den juristischen Verein, nachdem von 1997 bis 2000 das Arbeitsamt den größten Teil übernommen habe und die Restfinanzierung durch andere Sponsoren gesichert gewesen sei.

Gepp verwies auf eine erfolgreiche Arbeit der Schücking-Gesellschaft und machte abschließend den Vorschlag, im Schloss Räume für die Exponate des Schücking-Nachlasses einzurichten und im jetzigen Museum an der Schlaunallee das Archiv zu belassen.

Museumsleiter Heinz Thien zeigte die vielfältige praktische Arbeit im Museum auf und war besonders stolz über die Anschaffung eines Exemplars der Erstauflage des Schücking-Romans „Die Ritterbürtigen" aus dem Jahre 1846, die er als Erfolg seiner Suche zum Themenbereich Schücking im Internet und auf heimischen Flohmärkten wertete.

Zusammen mit dem Lathener Erich Jäger sei zudem eine umfangreiche Internet-Präsentation des Schücking-Museums und der Schücking-Gesellschaft sowie ein „autorenlexikon-emsland" als Internet-Ausgabe aufgebaut worden. Deutliche Worte fand Thien zur gegenwärtigen Situation des Schücking-Museums und der damit verbundenen Forschungsarbeit. „Das Museum ist ein großes Geschenk an das Emsland, besonders auch für Sögel. Es ist nicht mein Privatvergnügen oder Hobby", macht Thien im Hinblick auf die Überlassung des Schücking-Nachlasses durch die Familie und die Diskussion um seine Arbeit deutlich. Vorstand und Gemeinde sollten die Probleme auf sachlicher Grundlage klären und gemeinsam Bedingungen schaffen, auf die man für die Zukunft planen könne

 


SonntagsReport  03.02.2002

CDU-Fraktion: Vorerst keine Finanzmittel für Schücking-Museum in Sögel

Geldhahn bleibt zugedreht: Chancen für Museum sinken

Sögel.

Die Chancen für den Fortbestand des Schücking-Museums in Sögel sind weiter gesunken. Auf einer Fraktionssitzung am Donnerstagabend sprach sich die CDU-Fraktion des Sögeler Gemeinderats dagegen aus, weiter Finanzmittel für die Einrichtung bereitzustellen. Mitglieder der Schücking-Gesellschaft hatten sich zeitgleich getroffen. In der vagen Hoffnung, auf eine Einigung wurde für den kommenden Donnerstag ein Gespräch mit Vertretern der Gemeinde vereinbart.

Auf dieses Gespräch  verweist auch die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Gitta Knipper: „Wenn vernünftige Vorschläge gemacht werden, kann es durchaus sein, dass wieder gezahlt wird." Die Schücking-Gesellschaft sei aufgefordert, ein schlüssiges Konzept vorzulegen. „Ein Patentrezept haben wir auch nicht. Aber im Prinzip wollen wir das Museum gerne erhalten", so Knipper. Ihre Fraktion habe jedoch einstimmig entschieden, die Zahlungen zumindest „bis zur Klärung der Angelegenheit auszusetzen" Bislang hatte die Gemeinde das Museum mit jährlich rund 2.500 Euro unterstützt.

Initiator Heinz Thien arbeitet bereits seit Beginn des Jahres 2001 ehrenamtlich. Seine ABM-Stelle zur Forschung über das Wirken des aus Sögel stammenden Literaten Levin Schücking war damals ausgelaufen.

hsz


Emskopp  Nr. 30 Februar/März 2002

reportage

Geht der größte Sohn Sögels?

Sögeler Museum für einen der bedeutendsten Literaten des 19. Jahrhunderts steht vor dem Aus

Sögel, Schlaunallee.

Vorgärten mit Zäunen, kleine Auffahrten, weiße Vorhänge in den Fenstern. Bis auf eine Gaststube an der Straßenkreuzung Schlaunalle/lm Tünneken wirken fast alle Gebäude wie gewöhnliche Wohnhäuser. Und hier soll sich ein Museum für einen der bedeutensten und einflussreichsten deutschen Literaten des 19. Jahrhunderts befinden? Kein Wegweiser ist zu sehen und so hoffe ich auf die Bedienung in der Gaststube.

„Die Allee hinunter, dann eines der letzten Häuser auf der rechten Seite". Also dorthin.

Bis auf eine Büste im Vorgarten und ein kleines Schild weist nichts darauf hin, dass hier Levin Schückings „Zuhause" ist: Der „Entdecker" und Förderer der Droste-Hülshoff, der Gründer des deutschen Feuilletons, dessen Romane laut Brockhaus „zu den besten, welche die deutsche Literatur hervorgebracht hat" gehören. Das unscheinbare Museum portraitiert den wie Museumsleiter Heinz Thien sagt „wichtigsten Sohn Sögels". Doch so unauffällig wie das Museum, so unbekannt ist Schücking vielerorts im Emsland. Und das, obwohl er im 19. Jahrhundert eine sehr wichtige Figur in der Tageszeitungs- und Literaturlandschaft Deutschlands war.

Geboren am 6. September 1814 in Meppen, wuchs Levin Schücking im Marstall des Schlosses Clemenswerth in Sögel auf. Da seine Mutter schon früh starb und der Vater aus dem Staatsdienst entlassen wurde, kümmerte sich Annette von Droste-Hülshoff um ihn. Schücking wiederum vermarktete später zusammen mit Friedrich Engels Droste-Hülshoffs Werke. Doch verhalf er ihr nicht nur zu vielen Erstveröffentlichungen, sondern spornte sie zudem immer wieder zum Schreiben an. Die Droste-Forschung sieht Schücking mittlerweile als den entscheidenden Förderer an, der „die Droste gemacht" hat.

Schückings Bedeutung für die deutsche Literatur beschränkt sich keinesfalls nur auf die Unterstützung der Droste-Hülshoff. Mitte des 19. Jahrhunderts war er einer der meistgelesenen Autoren Deutschlands. Fast 200 Werke, darunter Romane, Novellen, Dramen, wissenschaftliche Werke und Gedichte stammen aus seiner Feder. Unter diesen Werken ist die Novelle „Wippinger Thekla", die die Schücking-Gesellschaft Ende 2001 neu aufgelegt hat (wir berichteten). Auch im Zeitungswesen spielte der gebürtige Meppener eine wichtige Rolle. Er war der Begründer des deutschen Feuilletons und führte den Fortsetzungsroman ein. Da Schücking zudem ein angesehener Kulturkritiker war, suchte selbst Heinrich Heine seinen Schutz.

Bei seiner Arbeit war er stets Aufklärer und Reformator. Er setzte sich schon Mitte des 19. Jahrhunderts für die Emanzipation der Frauen ein, forderte Pressefreiheit und prangerte die Verschwendung auf deutschen Adelshöfen an.

Im Museum kann man unter anderem gut erhaltene Original-Manuskripte, Schückings Schreibtisch sowie Briefwechsel mit Engels bestaunen. Da Schücking auch Sammler war, befinden sich unter den Ausstellungsstücken tellergroße Siegel von Kaiser Joseph II. und Wilhelm l. neben Gemälden aus dem 15./16. Jahrhundert.

Neben Levin Schücking und der oben schon angesprochenen Annette von Droste-Hülshoff wird auch Familienmitgliedern Schückings Platz im Museum eingeräumt. Denn Levin Schücking war nicht der einzige bedeutende Schücking.

Sein Bruder Alfred (1818-1898) legte den Grundstein für den Postverkehr per Schiff von Amerika nach Europa. Darüber hinaus verlegte er die erste erfolgreiche deutschsprachige Zeitschrift des amerikanischen Südens.

Modestus Schücking (1787-1867), sein Vater, hat sich vor allem auf dem Hümmling verdient gemacht. Der junge Richter und spätere Amtmann sorgte für den Ausbau der Straßen- und Postverbindungen und setzte sich für Kirchenneubauten in Werlte und den Neubau des Pfarrhauses in Sögel ein. Auch der Ludmillenhof, eines der Schmuckstücke Sögels, ist mit seiner Hilfe erbaut worden.

Levins Mutter, Catharina Busch (1791-1831), ist ebenso eine geachtete Persönlichkeit gewesen. Sie gilt als „erste Dichterin Westfalens" und sorgte so dafür, dass auch die Werke von Frauen mehr Anerkennung erlangten.

Zu dieser Entwicklung trug auch Levin Schückings Frau Louise von Gall (1815-1855) durch viel beachetete Romane und Novellen bei. Die gesammelten Liebesbriefe zwischen ihr und Schücking gehören heute zu den schönsten der deutschen Briefliteratur.

Neben seinen Ausstellungsräumen ist das Museum in erster Linie ein Arbeitsmuseum. Hier betreibt Museumsleiter Heinz Thien sowohl Schücking-Forschung als auch allgemeine Geschichtsforschung.

Bei der Bedeutung von Schücking und der mit ihm verbundenen Personen wird klar, wie bedeutend damit auch das Schücking-Museum für das Emsland ist. Es ist das einzige Literaturmuseum im Nordwesten und „besitzt eine große Anerkennung bei fast allen der ungefähr 125 literarischen Gesellschaften in Deutschland", so Gerd Gepp, Präsident der Schücking-Gesellschaft. Wie interessant und ergiebig das Leben um Schücking ist, bewies auch eine Grundschulklasse aus Groß Berßen/Hüven. Sie gewann mit Hilfe des Museums den 3. Platz beim Literaturatlas-Wettbewerb des Niedersächsischen Kultusministeriums. „Nicht umsonst kommen auch ständig Anfragen von Studenten, Journalisten und Buchautoren", sagt Heinz Thien. Sie nutzen das Archiv für Diplomarbeiten, Recherchen oder Manuskripte.

Trotz alledem steht das Schücking-Museum nun kurz vor dem Aus. Es mangelt an finanzieller Unterstützung. Sollte es nicht gelingen, „das Museum auf halbwegs solide Beine zu stellen, ordentliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, sollte der Familie Schücking die Rücknahme ihrer Leihgaben empfohlen werden", so Heinz Thien. Leider ist das Gesamtkonzept „Schücking-Museum" ein Zankapfel zwischen der Schücking-Gesellschaft, dem Landkreis und der Gemeinde Sögel geworden, dessen Ausgang ungewiss ist.

Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass mit der Schließung des Museums, eine mögliche touristische Attraktion wegbrechen würde. Mit der Rückgabe des Nachlasses an die Nachfahren würde auch ein Stück Literaturgeschichte das Emsland verlassen.

Die Schücking-Gesellschaft, die Gemeinde Sögel und der Landkreis werden sich in der nächsten Zeit zusammensetzen. Bleibt zu hoffen, dass sich eine Lösung finden wird, damit Levin Schücking dem Emsland erhalten bleibt. (HB)

Die Besichtigung des Museums nach telefonischer Absprache möglich:

infos 05952/2301


SAT1-online  22.01.2001

Kein Literat für die Vitrine - Levin-Schücking-Museum im Emsland vor dem Aus 

- Gemeinde lehnt Finanzierung für Museum ab -

Von ddp-Korrespondent Holger Szyska

Sögel (ddp-nrd).

Für halbe Sachen ist Heinz Thien nicht zu haben. Nach ausführlichen Erkundungen in vielen chinesischen Provinzen gibt er 1972 den ersten deutschsprachigen Reiseführer über das Reich der Mitte heraus. Auch nach der Rückkehr in seine emsländische Heimat stürzt sich Thien mit Eifer in die Arbeit. Hier stößt er vor zwölf Jahren auf das Lebenswerk des fast vergessenen Levin Schücking (1814-1883), der die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt hat. Mit Herzblut erforscht Thien seither das Wirken Schückings, der aus dem emsländischen Sögel stammt. Er baut ein Forschungsarchiv auf, initiiert eine Schücking-Gesellschaft mit bundesweit über 100 Mitgliedern und gründet 1997 das einzige Literaturmuseum im westlichen Niedersachsen. Doch hinter der Zukunft des Levin-Schücking-Museums steht ein dickes Fragezeichen. «Gelingt es nicht, das Museum auf halbwegs solide Beine zu stellen, sollte der Familie Schücking die Rücknahme ihrer Leihgaben empfohlen werden», sagt Thien. Dabei weiß der 56-Jährige die Nachfahren des Literaten hinter sich. «Im Nachlass existieren eine komplette Wohnungseinrichtung und über 100 Gemälde. Das könnten wir alles hier in Sögel haben.» Bereits jetzt quellen die Räume über in dem kleinen Haus, in dem Archiv und Museum beherbergt sind. Über 150 Bücher hat Thien mit Unterstützung der Familie Schücking aus Antiquariaten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien erstanden, darunter eine seltene Erstauflage des Schücking-Romans «Die Ritterbürtigen» von 1848. Die umfangreiche Sammlung umfasst auch Manuskripte, Zeitungen, Zeitschriften, Gemälde, Urkunden, Siegel, Biedermeiermöbel, Fotografien und persönliche Gegenstände aus dem Schücking-Nachlass. Eine historische Druckerei muss derzeit in der Garage des Hauses zwischengelagert werden. Der Aufbau des Arbeitsmuseums ist nicht nur zeitintensiv, sondern vor allem kostspielig. Denn manche Bücher Schückings werden für 6000 Euro und mehr gehandelt, was die Bedeutung des Literaten unterstreicht. «Levin Schücking ist zweifellos der größte Literat der Region», sagt Thien. «Als einziger Emsländer war er nachweislich an der deutschen demokratischen Revolution im Jahre 1848 beteiligt.» Das Verhalten des Landkreises Emsland sei absolut unverständlich und käme einem Boykott der Schücking-Forschung und des Museums gleich. Bis heute sei das Museum nicht in das Touristik-Programm des Landkreises aufgenommen worden. «Die Repräsentanten des Landkreises meiden das Museum wie der Teufel das Weihwasser. Immer wieder ließ man uns spüren, dass wir unwillkommen sind», sagt der Initiator. Nachdem zunächst eine ABM-Stelle für Thien geschaffen worden war, lief die Förderung zu Beginn des Jahres 2001 aus. Seither engagiert sich der 56-Jährige ehrenamtlich. Die finanzielle Unterstützung für seine Arbeit beschränkt sich zurzeit auf jährlich etwa 2500 Euro von der Gemeinde Sögel, die zudem das Haus für Archiv und Museum zur Verfügung stellt und es unterhält. «Dieser Grundsatzbeschluss des Gemeinderates steht jetzt zur Disposition», sagt der stellvertretende Verwaltungschef der Gemeinde, Günther Wigbers. Die CDU-Mehrheitsfraktion werde am 31. Januar entscheiden. Wigbers begründet die Vorbehalte mit «der von eigenartiger Diplomatie geprägten Politik der Schücking-Gesellschaft». Das Angebot der Kreisverwaltung, die Lebensleistung Schückings in einem Pavillon des Jagdschlosses Clemenswerth darzustellen, sei von der Familie des Literaten abgelehnt worden. Auch der Kulturdezernent des Landkreises Emsland, Reinhard Winter, verweist auf diese Offerte. Man sehe sich aber nicht in der Lage, eine Personalstelle für Museumsinitiator Thien zu finanzieren. «Irgendwo gibt es Grenzen. Eine hauptamtliche Stelle ist nicht leistbar», sagt Winter. Schließlich gebe es 20 Museen im Emsland und bereits vier hauptamtlich Beschäftigte. «Vitrinen im Jagdschloss könnten wir zusätzlich füllen», kontert Thien. Mit den Nachfahren ist er sich jedoch einig, dass das Schücking-Werk im Gesamtkonzept des Schlosses Clemenswerth untergehen würde. Außerdem sei daneben zur weiteren Literaturforschung zwingend ein Arbeitsmuseum von Nöten. In Thiens Augen ist das Verhalten der Kommunalpolitiker und Verwaltungsbeamten schlicht provinziell: «Das Thema ist einfach eine Nummer zu groß für diese Leute. Levin Schücking würde sich im Grabe umdrehen.» Gedankenlos verpasse man die Gelegenheit, das Museum zum bundesweiten Werbeträger für die Region zu machen. Die mit Gemeinde und Landkreis vereinbarten Sondierungsgespräche seien «die letzte Chance für das Schücking-Museum im Emsland». 

ddp/pnw/mcb

Levin-Schücking-Museum im Emsland vor dem Aus

Sögel (ddp-nrd).

Die Zukunft des einzigen Literaturmuseums im westlichen Niedersachsen ist ungewiss. Weil es an finanzieller Unterstützung durch Gemeinde und Landkreis mangelt, sieht sich Initiator Heinz Thien kaum noch in der Lage, das seit 1997 bestehende Levin-Schücking-Museum im emsländischen Sögel zu erhalten. «Gelingt es nicht, das Museum auf halbwegs solide Beine zu stellen, sollte der Familie Schücking die Rücknahme ihrer Leihgaben empfohlen werden», sagte Thien der ddp. Mit einem Forschungsarchiv und dem Museum will Thien an einen bedeutenden Literaten des 19. Jahrhunderts erinnern. Levin Schücking (1814-1883) gilt als Gründer des deutschen Feuilletons sowie als Entdecker und maßgeblicher Förderer der Autorin Annette von Droste-Hülshoff. Er schrieb über 200 Romane, Novellen, Dramen und wissenschaftliche Werke sowie zahlreiche Gedichte, Zeitungsbeiträge und Rezensionen. Als liberaler Journalist setzte sich Schücking bereits 1845 für die Pressefreiheit und die Emanzipation von Frauen ein. 1848 nahm er als publizistischer Beobachter und Kommentator an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil. Darüber hinaus pflegte er Kontakte zu Heinrich Heine und Friedrich Engels. Der Landkreis Emsland sieht sich dennoch nicht in der Lage, eine Personalstelle für Museumsinitiator Thien zu finanzieren. «Irgendwo gibt es Grenzen. Eine hauptamtliche Stelle ist nicht leistbar», sagte der Kulturdezernent des Landkreises Emsland, Reinhard Winter. Nachdem zunächst eine ABM-Stelle für Thien geschaffen worden war, lief die Förderung zu Beginn des vergangenen Jahres aus. Seither kümmert sich Thien ehrenamtlich um Forschungsarchiv und Museum.

(folgt Korrespondentenbericht) ddp/pnw/bei

 

Das Wirken des Levin Schücking - Emsländischer Literat gilt als

Sögel (ddp-nrd). 

«Die Romane Schückings gehören anerkanntermaßen zu den besten, welche die deutsche Literatur hervorgebracht hat», hieß es ab 1854 im Brockhaus. Gemeint ist Christoph Bernhard Levin Matthias Schücking, Autor von etwa 200 Romanen, Novellen, Dramen und wissenschaftlichen Werken sowie zahlreichen Gedichten, Zeitungsbeiträgen und Rezensionen. Seine Bücher wurden ins Englische, Italienische, Niederländische und Ungarische übersetzt. Die Erfolgslisten der Leihbibliotheken aus der Mitte des 19. Jahrhunderts weisen ihn als einen der meistgelesenen Autoren aus. Der am 6. September 1814 im emsländischen Meppen geborene Levin Schücking gilt als Gründer des deutschen Feuilletons. Als liberaler Publizist war er bereits 1845 ein Verfechter der Pressefreiheit und der Emanzipation von Frauen. Auch gegen die Verschwendung an deutschen Adelshöfen engagierte sich der Schriftsteller, Journalist, Literaturkritiker und Historiker. Der Verleger der «Kölnischen Zeitung» entsandte ihn zu den Brennpunkten europäischer Politik. 1848 war Schücking publizistischer Beobachter und Kommentator der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Anschließend war er erster Biograf des Präsidenten der Nationalversammlung, Heinrich von Gagern. Darüber hinaus pflegte er regen Kontakt zu Heinrich Heine und Friedrich Engels. Als Weggefährte und Freund der Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) gebührt ihm der Verdienst, ihre Werke in die deutsche Literatur eingeführt zu haben. Schücking schrieb 1838 die erste Droste-Rezension und veröffentlichte 1862 die erste Droste-Biografie. Später gab er erstmals deren gesammelte Werke heraus. Zeitweise übernahm er auch ihre Honorarverhandlungen. Erst nach seiner Heirat mit der Literatin Louise von Gall (1843) und dem Erscheinen seines kritischen Romans «Die Ritterbürtigen» (1846) kam es zum Bruch zwischen Schücking und der Droste. Levin Schücking starb am 31. August 1883 in Bad Pyrmont. Ihm zum Gedenken baut der Publizist und Karikaturist Heinz Thien seit 1997 ein literaturhistorisches Museum mit Forschungsarchiv im emsländischen Sögel auf, wo Schücking bis zu seinem 14. Lebensjahr aufwuchs. (Internet: www.schuecking-museum.de, www.autorenlexikon-emsland.de

ddp/pnw/mcb


Sonntags Report  20.01.2001

Schücking-Museum in Sögel vor dem Aus / Einer der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit

Kein Literat für die Vitrine

Sögel.

Für halbe Sachen ist Heinz Thien nicht zu haben. Nach ausführlichen Erkundungen in vielen chinesischen Provinzen gibt er 1972 den ersten deutschsprachigen Reiseführer übe« das Reich der Mitte heraus. Auch nach der Rückkehr in seine emsländische Heimat stürzt sich Thien mit Eifer in die Arbeit. Hier stößt er vor zwölf Jahren auf das Lebenswerk des fast vergessenen Levin Schücking (1814-1883), der die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt hat. Mit Herzblut erforscht Thien seither das Wirken Schückings, der aus Sögel stammt.

Er baut ein Forschungsarchiv auf, initiiert eine Schücking-Gesellschaft mit bundesweit über 100 Mitgliedern und gründet 1997 das einzige Literaturmuseum im westlichen Niedersachsen. Doch hinter der Zukunft des Levin-Schücking-Museums steht ein dickes Fragezeichen.

Räume quellen über

„Gelingt es nicht, das Museum auf halbwegs 'solide Beine zu stellen, sollte der Familie Schücking die Rücknahme ihrer Leihgaben empfohlen werden", sagt der 56-Jährige. Dabei weiß Thien die Nachfahren des Literaten hinter sich. „Im Nachlass existieren eine komplette Wohnungseinrichtung und über 100 Gemälde. Das könnten wir alles hier in Sögel haben." Bereits jetzt quellen die Räume in dem kleinen Haus über, in dem Archiv und Museum beherbergt sind.

Seltene Erstauflage

Über 150 Bücher hat Thien mit Unterstützung der Familie Schücking aus Antiquariaten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und England erstanden, darunter eine seltene Erstauflage des Schücking-Romans „Die Ritterbürtigen" von 1848. Die umfangreiche Sammlung umfasst auch Manuskripte, Zeitungen, Zeitschriften, Gemälde, Urkunden, Siegel, Biedermeiermöbel, Fotografien und persönliche Gegenstände aus dem Schücking-Nachlass. Eine alte Druckerei muss in der Garage des Hauses zwischen gelagert werden. Der Aufbau des Arbeitsmuseums ist nicht nur zeitintensiv, sondern vor allem kostspielig. Denn manche Bücher Levin Schückings werden für 6.000 Euro und mehr gehandelt, was die Bedeutung des Literaten unterstreicht. Schücking gilt als Gründer des deutschen Feuilletons sowie als Entdecker und maßgeblicher Förderer der Annette von Droste-Hülshoff. Er schrieb über 200 Romane, Novellen, Dramen und wissenschaftliche Werke sowie zahlreiche Gedichte, Zeitungsbeiträge und Rezensionen. Als liberaler Journalist setzte sich Schücking bereits 1845 für die Pressefreiheit und die Emanzipation von Frauen ein. 1848 nahm er als publizistischer Beobachter und Kommentator an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil. Anschließend war Schücking erster Biograf des Präsidenten der Nationalversammlung, Heinrich von Gagern. Darüber hinaus pflegte er Kontakte zu Heinrich Heine und Friedrich Engels. Im Brockhaus hieß es ab 1854: „Die Romane Schückings gehören anerkanntermaßen zu den besten, welche die deutsche Literatur hervorgebracht hat." Die Erfolgslisten der Leihbibliotheken aus der Mitte des 19. Jahrhunderts weisen ihn ebenfalls als einen der meistgelesenen Autoren aus.

„Der größte Literat"

„Levin Schücking ist zweifellos der größte Literat der Region", sagt Heinz Thien. „Als einziger Emsländer war er nachweislich an der deutschen demokratischen Revolution im Jahre 1848 beteiligt." Das Verhalten des Landkreises Emsland sei absolut unverständlich und käme einem Boykott der Schücking-Forschung und des Museums gleich. Bis heute sei das Museum nicht in das Touristik-Programm des Landkreises aufgenommen worden. „Die Repräsentanten des Landkreises meiden das Museum wie der Teufel das Weihwasser. Immer wieder ließ man uns spüren, dass wir unwillkommen sind", sagt der Initiator.

Förderung fraglich

Nachdem zunächst eine ABM-Stelle für ihn geschaffen worden war, lief die Förderung zu Beginn des Jahres 2001 aus. Seither engagiert sich Thien ehrenamtlich. Die finanzielle Unterstützung für seine Arbeit beschränkt sich zur Zeit auf jährlich rund 2.500 Euro von der Gemeinde Sögel, die zudem das Haus für Archiv und Museum zur Verfügung stellt und es unterhält.

„Eigenartige Politik"

„Dieser Grundsatzbeschluss des Gemeinderates steht jetzt zur Disposition", nimmt der stellvertretende Verwaltungschef der Gemeinde, Günther Wigbers, kein Blatt vor den Mund. Die CDU-Mehrheitsfraktion werde am 31 Januar entscheiden. Wigbers begründet die Vorbehalte mit „de von eigenartiger Diplomatie geprägten Politik der Schücking-Gesellschaft". Das Angebot der Kreisverwaltung, die Lebensleistung Schückings in einem Pavillon des Jagdschlosses Clemenswerth darzustellen, sei von der Familie des Literaten abgelehnt worden. Auch der Kulturdezernent des Landkreises Emsland, Reinhard Winter, verweist auf diese Offerte. Man sehe sich aber nicht in der Lage, eine Personalstelle für Museumsinitiator Heinz Thien zu finanzieren. „Irgendwo gibt es Grenzen. Eine hauptamtliche Stelle ist nicht leistbar", sagt Winter. Schließlich gebe es 20 Museen im Emsland und bereits vier hauptamtlich Beschäftigte. „Vitrinen im Jagdschloss könnten wir zusätzlich füllen", kontert Heinz Thien. Mit den Nachfahren ist er sich einig, dass das Schücking-Werk im Gesamtkonzept des Schlosses Clemenswerth untergehen würde. Außerdem sei daneben zur weiteren Literaturforschung zwingend ein Arbeitsmuseum von Nöten.

Sondierungsgespräch

Für Thien ist das Verhalten der. Kommunalpolitiker und Verwaltungsbeamten schlicht provinziell: „Das Thema ist einfach eine Nummer zu groß für diese Leute. Levin Schücking würde sich im Grabe umdrehen." Gedankenlos verpasse man die Gelegenheit, das Museum zum bundesweiten Werbeträger der Region zu machen. Die mit Gemeinde und Landkreis vereinbarten Sondierungsgespräche seien „die letzte Chance für das Schücking-Museum im Emsland".

Holger Szyska


Münsterländische Tageszeitung 18.01.2001

Schließung des Schücking-Museums droht

Ex-Leiter Heinz Thien: "Die Sögeler Einrichtung scheint zum Spielball der Kommunalpolitik zu werden"

Von Heinz Strickmann

Sögel -

Die Diskussionen um die Förderung und Erhaltung des Schücking-Museums wurde auf der Mitgliederversammlung emotional und kontrovers gerührt. Die Schücking-Gesellschaft habe mit ihrem Schücking-Museum seit der Gründung 1997 sehr an Ansehen gewonnen, das sagte Präsident Gerd Gepp. Außerhalb des Emslandes werde der Wert und die Bedeutung des literarischen Schücking-Museums klarer erkannt werde als in Sögel selbst. 1997 wurde das einzige Literaturmuseum in Westniedersachsen eröffnet. Hauptinitiator war Heinz Thien, der aus finanziellen Gründen nach akribischer Aufbau- und Forschungstätigkeit bereits zum Ende 2000 „gefeuert" wurde .'Träger ist heute die Schücking-Gesellschaft mit ihren rund 100 Mitgliedern.

Bevor Präsident Gerd Gepp einen Rückblick gab, zitierte er den Leiter des Westfälischen Landesmuseums, Dr. Krause, der sich zu Levin Schücking und der Bedeutung seines Werkes unlängst geäußert hatte. Krause hatte lange Jahre den Nachlass von Levin Schücking, vor allem das Depositum, verwahrt und betreut und durch die Herausgabe wichtiger Leihgaben das Museum in Sögel unterstützt beziehungsweise bereichert. Für ihn seien Levin Schücking und sein Werk für die Literatur des 19. Jahrhunderts unstrittig wichtig.

Präsident Gepp erwähnte in seinem Rückblick, dass 1999 die Jahrestagung der Droste-Gesellschaft aus Münster sowie ein Besuch der Goethe-Gesellschaft aus Essen in Sögel stattgefunden habe. Die Novelle „Die Wippinger Thekla" habe neu herausgegeben werden können, da die Druckkosten zum Teil von der Wisniewsky-Stiftung übernommen worden seien.

Weiter berichtete er, dass die großzügige Spende eines Schücking-Nachkommens es ermöglicht habe, über 150 Bücher in den Antiquariaten Deutschlands, Österreichs, Englands und der Schweiz aufzukaufen. Zwei Jahrbücher seien erschienen, und literarische Nachmittage mit Lesungen hätten stattgefunden. Dass das Schücking-Museum heute eine große Anerkennung bei fast allen der fast 125 literarischen Gesellschaften in Deutschland habe, sei Heinz Thien zu verdanken, der bis zu seiner Entlassung am l. Dezember 2000 unermüdlich für das Museum tätig gewesen sei.

Der ehemalige Museumsleiter Heinz Thien stellte seinerseits die vielfältige praktische Arbeit vor, die im Museum geleistet worden war. „Stolz sind wir auch, dass eine Grundschulklasse aus Groß Ber-ßen/Hüven mit Hilfe des Museums mit dem Thema ,Levin Schücking' am landesweiten Literaturatlas-Wettbewerb teilgenommen hat und dort mit einem der Hauptpreise (3. Preis: 6000 Mark) ausgezeichnet wurde", sagte Thien, der auf eine Vielfalt von Aktivitäten verweisen und unter anderem eine uralte Druckerei für das Museum sicherstellen konnte.

Deutliche Worte fand Thien zur gegenwärtigen Situation des Museums und der damit verbundenen Forschungsarbeit. Anfangs habe große Euphorie geherrscht, und zur Eröffnung des Museums seien 250 Gäste erschienen. Doch dann habe es Finanzierungsprobleme gegeben, und im Jahr 2000 sei das Museum in arge Existenznot geraten, als sich der Zuschuss des Arbeitsamtes reduziert habe. Doch der Landkreis Emsland sei eingesprungen und habe einen Zuschuss in Höhe von 19 000 Mark gewährt mit der Aufforderung, bis zum Ende des Jahres die hauptamtliche Leitung des Museums aufzugeben.

Bisher wurde die Schücking-Gesellschaff unterstützt durch die Gemeinde Sögel, die Alexander -Wisniewsky-Stiftung in Lingen, den Landkreis Emsland und durch private Spenden von rund 50000 Mark. Problematisch sind die Personalkosten, die sich jährlich auf rund 80000 Mark belaufen. Von 1997 bis zum Jahr 2000 hat das Arbeitsamt den größten Teil übernommen, weil die Restfinanzierung durch andere Sponsoren gesichert war.

„Das Museum scheint zum Spielball der Kommunalpolitik zu werden, wobei jede demokratische Kultur vermisst wird", sagte Thien.

Er schlug vor, dass der Vorstand und die Gemeinde sich gemeinsam zusammensetzen sollten, um die Probleme zu klären und gemeinsam Bedingungen zu schaffen, auf die man sich auch für die Zukunft verlassen könne. „Dies muss in allernächster Zeit geschehen und ist die letzte Chance für den Erhalt des Museums im Emsland", das sagte Heinz Thien.

Levin Schücking war der älteste Sohn des arenbergischen Amtmanns und Richters für das Amt Hümmling, des Paulus Modestus Schücking, und seiner Ehefrau Sybille Catharina Elisabeth Busch und wurde am 6. September 1814 in Meppen geboren. Er verbrachte seine Kindheit von Anfang 1815 bis 1829 in Sögel und wuchs im Marstall des Schlosses Clemenswerth auf. Über 200 Romane, Novellen, Dramen und wissenschaftliche Werke stammen aus seiner Feder.

Er ist der „Entdecker" und bedeutenste Förderer der westfälischen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Er starb 1883 in Bad Pyrmont.


Von Haus zu Haus 16.01.2001

"Die müssen nicht um Würdigung betteln"

Thien: Schücking-Museum ist ein großes Geschenk an das Emsland

Von Carsten Ammermann

SÖGEL

Das Schücking-Museum in Sögel kämpft um seine Existenz. Das machte Museumsleiter Heinz Thien den Mitgliedern der Schücking-Gesellschaft während der Hauptversammlung am vergangenen Sonnabend deutlich. Gleichzeitig zeigte Thien auf, dass das Schücking-Museum ein „großes Geschenk an das Emsland" sei.

In seiner Rede ging Museumsleiter Thien zunächst auf das Jahr 1996 ein. In diesem Jahr wurde das Schücking-Museum in Sögel eingerichtet. „In den nächsten Jahren konnte das Museum ständig weiter ausgebaut werden", so Thien. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass es von Anfang an Finanzierungsprobleme gab. „Die konnten wir Dank des Engagements des Präsidenten Gerd Gepp, der Unterstützung der Gemeinde Sögel, der Wisniewsky-Stiftung, der Familie Schücking sowie des Arbeitsamtes halbwegs lösen", führte der Museumsleiter aus.

Als „Trauerspiel" bezeichnete Thien die Tatsache, dass das Schücking-Museum scheinbar zum Spielbau der Kommunalpolitik werde. „Es wird kaputtgeredet", ärgert sich der engagierte Museumsleiter über die Diskussionen. „Die müssen nicht um Würdigung betteln." Thien zeigte auf, dass seit Jahrzehnten verschiedene Schücking-Exponate in bedeutenden deutschen und auch ausländischen Museen aufbewahrt und präsentiert werden. Beispielhaft nannte er das Schiller-Nationalmuseum, die Staatsbibliothek Berlin und das Westfälische Landesmuseum.

Thien schlug abschließend vor, dass der Vorstand der Schücking-Gesellschaft und die Gemeinde Sögel zusammen die Probleme erörtern und gemeinsam eine Lösung finden. „Das ist die letzte Chance für den Erhalt des Museums im Emsland", machte Thien auf die dramatische Situation aufmerksam.

Sollten keine vernünftigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, wird er der Familie Schücking empfehlen, die Exponate zurückzunehmen. Das sei gleichbedeutend mit dem Aus des Schücking-Museums.

Gesprächsbereitschaft signalisieren die Verantwortlichen der Gemeinde Sögel. „Die jetzige Situation ist so nicht haltbar", sagte gestern Bürgermeister Heiner Wellenbrock. Seiner Meinung nach sollten sich Vertreter der Schücking-Gesellschaft, der Familie Schücking und der Gemeinde an einen Tisch setzen.


Emszeitung  15.01.2001

Gepp-Vorschlag: Exponate von Schücking ins Schloss

Museum soll an der Schlaunallee bleiben - Vorstand gewählt

Söget (rs)

Auf der Mitgliederversammlung der literarischen Schücking-Gesellschaft im Heimathof wurden die Vorstandsmitglieder in großem Umfang in ihren Ämtern bestätigt. Satzungsänderungen wurden erforderlich, um die Anerkennung der steuerlichen Gemeinnützigkeit auch weiter zu sichern.

In ausführlichen Berichten hatten Präsident Gerd Gepp und Museumsleiter Heinz Thien über die Arbeit der literarischen Gesellschaft und des Museums informiert, wobei die anhaltenden finanziellen Pobleme und daraus resultierende Konsequenzen dargestellt und diskutiert wurden (wir berichteten). „Ich kenne die Zukunft nicht", hatte Präsident Gepp seine Ausführungen im Hinblick auf die Perspektiven überschrieben. Die Anfragen an das Archiv würden weiterhin termingemäß erledigt. Das Museum ist nur auf Anfrage geöffnet. Gepp machte den Vorschlag, im Schloss Räumlichkeiten für die Exponate des Schücking-Nachlasses einzurichten und im Museum an der Schlaunallee das Archiv zu belassen.

Museumsleiter Thien informierte über die Sicherstellung einer uralten Druckerei und den Ausbau des ständig umfangreicher werdenden Archivs. Dafür wurde der obere Ausstellungsraum im Dachgeschoss der von der Gemeinde an der Schlaunallee kostenfrei überlassenen Räumlichkeiten aufgegeben und nur noch für Archivzwecke genutzt.

Die Kassenberichte für die Jahre 1999, 2000 und 2001 zeigten deutlich, dass die Schücking-Gesellschaft für ihre Arbeit auf finanzielle Förderungen angewiesen ist und bleiben wird. Die von Albert und Edelgard Radtke geprüften Jahresrechnungen entsprachen voll den Anforderungen. Mit 100 Mitgliedern ist die Schücking-Gesellschaft als literarische Vereinigung in ganz Deutschland und im europäischen Ausland vertreten.

Gesellschaft zählt 100 Mitglieder

Bei den Vorstandswahlen wurden Gerd Gepp als Präsident, Kai Engelke als sein Stellvertreter, Holger Lemmermann als Schriftführer, Heinz Thien als Museumsleiter und Michael Hevicke als Beisitzer in ihren Ämtern bestätigt. Für den wegen Terminüberlastungen nicht wieder kandidierenden Heiner Wellenbrook wurde Erich Jäger als Beisitzer in den Vorstand gewählt. Für eine stärkere Einbindung der Familien der Schücking-Nachkommen (einige Angehörige hatten die weite Anreise aus Schleswig-Holstein zur Mitgliederversammlung auf sich genommen) sowie für eine Bereinigung der „verhärteten Fronten" hatten sich mehrere Versammlungsteilnehmer im Laufe der mehrstündigen Mitgliederversammlung ausgesprochen.

Mit einem sehr informativen, ausführlichen Referat stellte Diplombibliothekarin Susanne Brandt die schriftstellerische Tätigkeit von Gefangenen der emsländischen Konzentrationslager in den 30er und 40er Jahren an zahlreichen Textbeiträgen vor. Eine einstimmig beschlossene Satzungsänderung stellt auch für die Zukunft die Anerkennung der Gemeinnützigkeit der literarischen Gesellschaft für die Zukunft sicher.


Emszeitung 14.01.2002

„Das Schücking-Museum ist ein großes Geschenk für das Emsland"

Zukunft der Einrichtung in Sögel weiter unklar - Literaturgesellschaft tagte

Sögel (rs)

„Die Schücking-Gesellschaft hat mit ihrem Schücking-Museum seit ihrer Gründung 1997 sehr an Ansehen gewonnen", betonte Präsident Gerd Gepp auf der Mitgliederversammlung im Heuerhaus des Heimathofes Sögel. In längeren, teils stark emotional gefärbten kontroversen Wortbeiträgen wurde die Förderung und damit die Existenzsicherung des Museums diskutiert.

Nach den Worten des Präsidenten würden Wert und Bedeutung des literarischen Schücking-Museums außerhalb des Emslandes klarer erkannt als in der Region. Gepp bezog sich dabei auf den Leiter des Westfälischen Landesmuseums, Dr. Krause, für den Levin Schückings Werk sowie seine weitläufige journalistische Arbeit für das 19. Jahrhundert „gesellschafts- und zeitprägend" seien. Die große Anerkennung des Museums bei fast allen der 125 literarischen Gesellschaften in Deutschland verdanke die Gesellschaft dem Museumsleiter Heinz Thien, der bis zu seiner durch den finanziellen Engpass erforderlich werdenden Entlassung in die Arbeitslosigkeit am l. Dezember 2000 unermüdlich für die Forschungs- und Museumsarbeit tätig gewesen sei.

Gepp erinnerte an die Arbeitstagung der Droste-Gesellschaft aus Münster und den Studienbesuch der Goethe-Gesellschaft Essen im Sögeler Museum. Höhepunkt des Jahres 2001 war die Neuauflage der Schücking-Novelle „Die Wippinger Thekla" und die Möglichkeit durch die Spende eines Schückings-Nachkommens 150 Bücher in den Antiquariaten Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Englands aufzukaufen. Finanziell unterstützt wurde die Schücking-Gesellschaft durch die Gemeinde Sögel, die Alexander-Wisniewsky-Stiftung in Lingen, den Landkreis Emsland und mit 50 000 Mark von privaten Spendern. Ein großes und drückendes Problem der Schücking-Gesellschaft sind nach wie vor die Personalkosten, die jährlich etwa 80000 Mark ausmachen. Von 1997 bis 2000 hat das Arbeitsamt den größten Teil übernommen, weil die Restfinanzierung durch andere Sponsoren gesichert war.

Heinz Thien wandte sich im ersten Teil seines Berichtes der vielfältigen praktischen Arbeit im Museum zu. Besonders stolz zeigte er sich über die Anschaffung eines Exemplares der Erstauflage des Schücking-Romans „Die Ritterbürtigen" aus dem Jahr 1846: ein Schnäppchen und der Erfolg seiner Suche nach antiquarischer Literatur zum Themenbereich Schücking mithälfe des Internets und auf heimischen Flohmärkten. Zusammen mit Erich Jäger aus Lathen wurde eine umfangreiche Internet-Präsentation des Schücking-Museums und der Schücking-Gesellschaft erstellt und mit zahlreichen anderen Museen in ganz Deutschland „verlinkt" sowie ein „autorenlexikon-emsland" als Internet-Ausgabe aufgebaut.

Emsländische Autoren auch im Internet

Deutliche Worte formulierte Thien zur gegenwärtigen Situation des Schücking-Museums und der damit verbundenen Forschungsarbeit. Immer wieder habe es Finanzierungsprobleme gegeben, die aber durch die Unterstützung der Kommune, der Wisniewsky-Stiftung, der Familie Schücking sowie des Arbeitsamtes aufgefangen werden konnten. In arge Existenznot geriet nach seinen Ausführungen das Museum 2000, als sich der Zuschuss des Arbeitsamtes reduzierte und weitere Sponsoren gesucht werden mussten. Der Landkreis Emsland zahlte einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 19000 Mark. Über die Förderungsmöglichkeiten durch den Landkreis und die Anerkennung der Forschungsarbeit kam es Ende 2001 zu einer Vielzahl gegensätzlicher Darstellungen in der Presse, die in der Mitgliederversammlung' durch die Ausführungen des Museumsleiters und des damaligen Pressesprecher des. Landkreises und heutigen Leiters der Sögeler Samtgemeindeverwaltung, Günther Wigbers, einen breiten Raum einnahmen.

„Das Schücking-Museum ist ein großes Geschenk an das Emsland, insbesondere auch an Sögel, nicht mein Privatvergnügen, auch nicht mein Hobby", machte Thien im Hinblick auf die Überlassung des Schücking-Nachlasses durch die Familie und die Diskussion um seine Arbeit deutlich. Sein Vorschlag, Vorstand und Gemeinde sollten die Probleme auf sachlicher Grundlage klären und gemeinsam Bedingungen schaffen, auf deren Basis man für die Zukunft planen könne. Auf jeden Fall solle die literarische Schücking-Gesellschaft erhalten bleiben, selbst wenn der Schücking-Nachlass das Emsland wieder verlassen müsste.


Oldenburgische Volkszeitung 02.01.2002

Levin-Schücking-Museum im Emsland steht vor dem Aus

Zukunft des einzigen Literaturmuseums im westlichen Niedersachsen gefährdet/Mangelnde Unterstützung

Sögel (ddp)

Die Zukunft des einzigen Literaturmuseums im westlichen Niedersachsen ist ungewiß. Weil es an finanzieller Unterstützung durch Gemeinde und Landkreis mangelt, sieht sich Initiator Heinz Thien kaum noch in der Lage, das seit 1997 bestehende Levin-Schücking-Museum im emsländischen Sögel zu erhalten. „Gelingt es nicht, das Museum auf halbwegs solide Beine zu stellen, sollte der Familie die Rücknahme ihrer Leihgaben empfohlen  werden“, so sagte Thien der ddp.

Mit einem Forschungsarchiv und dem Museum will Thien an einen bedeutenden Literaten des 19. Jahrhunderts erinnern. Levin Schücking (1814-1883) gilt als Gründer des deutschen Feuilletons sowie als Entdecker und maßgeblicher Förderer der Autorin Annette von Droste-Hülshoff. Er schrieb über 200 Romane, Novellen, Dramen und wissenschaftliche Werke sowie zahlreiche Gedichte, Zeitungsbeiträge und Rezensionen. Als liberaler Journalist setzte sich Schücking bereits 1845 für die Pressefreiheit und die Emanzipation von Faruen ein. 1848 nahm er als publizistischer Beobachter und Kommentator an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil. Darüber hinaus pflegte er Kontakte zu Heinrich Heine und Friedrich Engels. Der Landkreis Emsland sieht sich dennoch nicht in der Lage, eine Personalstelle für Thien zu finanzieren. „Irgendwo gibt es Grenzen. Eine hauptamtliche Stelle ist nicht leistbar“, sagte der Kulturdezernent des Landkreises Emsland, Reinhard Winter. Nachdem zunächst eine ABM-Stelle für Thien geschaffen worden war, lief die Förderung zu Beginn des vergangenen Jahres aus. Seither kümmert sich Thien ehrenamtlich um Forschungsarchiv und Museum


Der Wecker 25.11.2001

"Das Schücking-Museum ist ein Werbeträger"

Offener Brief von Schiicking-Museumsleiter Heinz Thien an Landrat Hermann Bröring

SÖGEL.

„Tage des Museums sind gezählt" lautete die Überschrift eines Artikels in der Sonntagszeitung Der Wecker (Ausgabe 18. November 2001), der sich mit der Ungewissen Zukunft des Schücking-Museums in Sögel auseinandersetzt. Mit einem offenen Brief reagiert jetzt Museumsleiter Heinz Thien auf die Äußerungen des emsländischen Landrates Hermann Bröring.

„Bei allem gebotenen Respekt, Herr Bröring: Die zurückhaltend kritischen Äußerungen von Mitgliedern der Schücking-Gesellschaft am Rande einer Veranstaltung in Sögel, die Sie nun ohne Not zu einer ungewöhnlich ausführlichen Stellungnahme in der Presse veranlaßten, können aufgrund ihrer Fehlerhaftigkeiten nicht unwidersprochen bleiben, da sie der Öffentlichkeit ein falsches Bild vermitteln.

Beginnen wir mit den Summen, die Sie dort nennen. Die Gemeinde Sögel hat im Jahr 2000 nicht - wie Sie angeben -19000 Mark an die Schücking-Gesellschaft als Zuschuß überwiesen, sondern insgesamt für das gesamte Jahr 5000 Mark. Das ist von uns auch nicht kritisiert worden. Sollte in dem Frühjahrsgespräch zwischen Ihnen und der Gemeinde Sögel etwas anderes vereinbart worden sein, ist uns davon nichts bekannt. Die darüber hinaus von Ihnen genannten 14 000 Mark haben wir jedenfalls nicht erhalten.

Der Vorschlag, das Lebenswerk Levin Schückings auch in einer Dauerausstellung im Schloß Clemenswerth zu würdigen, ist nicht von Ihnen, sondern bereits vor über fünf Jahren von mir gemacht worden, unter anderem auch in Anwesenheit von Frau Dr. Kaltofen und Familie Schücking während einer gemeinsamen Schlossbesichtigung. Mein Vorschlag war: Schücking-Zimmer im Schloß und Arbeitsmuseum mit Archiv am jetzigen Standort. Dieser in der Folge mehrfach wiederholte Vorschlag ist vom Landkreis nie beantwortet worden.

Immer wieder wird vom Landkreis die Situation so dargestellt als ginge es um die Finanzierung des Gehalts des Museumsleiters. Es ging immer nur um Zuschüsse, denn die hauptamtliche Kraft ist die ganze Zeit über durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und LKZ vorrangig vom Arbeitsamt gefördert worden. Von diesem kleinen ABM-Gehalt ist übrigens so manche Mark ins Museum geflossen. Das Arbeitsamt hatte die weitere Förderung bereits zugesagt, doch verhinderten dies die fehlenden Zuschüsse. Die übrigen Jahre - und auch jetzt 2001 - ist das Museum von mir ehrenamtlich aufgebaut und betreut worden.

Völlig unerklärlich ist mir, dass Sie erneut Ludwig Windthorst bemühen: wenn schon Schücking, dann müsse auch über eine Würdigung von Ludwig Windthorst nachgedacht werden. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich bin wirklich der Letzte, der etwas gegen eine solche Würdigung dieses Politikers hätte, wobei es ja seit vielen Jahren bereits das Ludwig-Windthorst-Haus bei Langen, das Denkmal in Meppen und zahlreiche Straßen und Plätze mit dem Namen Windthorst in ganz Deutschland gibt. Dass in Windthorsts Geburtsort Caldenhof bei Osnabrück bereits eine Windthorst-Gedächtnisstätte besteht, sei nur am Rande erwähnt, war Ihrem Kulturamt aber wohl noch nicht bekannt. Ich selber würdige Windthorst schon seit vielen Jahren, indem ich privat eine Windthorst-Sammlung mit alten Zeitungsartikeln und Karikaturen (19. Jahrhundert) gesammelt habe. Diese und umfangreiche andere Archivalien sollten eigentlich irgendwann auch im Archiv des Museums einen Platz finden.

Es geht nämlich von Anfang an nicht allein um die Präsentation von historischen Exponaten in Vitrinen und an den Wänden (was sicherlich ehrenamtlich erledigt werden könnte), sondern in erster Linie um ein Arbeitsmuseum, Archivaufbau und wissenschaftliche Aufarbeitung dieser auch eng mit dem Emsland verbundenen Thematik. Hierfür ist eine hauptamtliche erfahrene und engagierte Museumskraft unverzichtbar, zumal diese Museumskraft rund um die Uhr gleichzeitig auch als „Putzfrau", Bote und Handwerker eingesetzt ist. Von Anfang an wurde das Museum beziehungsweise das Archiv und das Spezialwissen des Museumsleiters bundesweit von Wissenschaftlern, Studenten, Schülern, Historikern unter anderem für Diplomarbeiten, Dissertationen und von Journalisten, Buchautoren für Recherchen intensiv genutzt und gelobt. Mehrere Fachbücher, wissenschaftliche Arbeiten entstanden in den letzten Jahren mit Hilfe des Schücking-Museums, und gerade jetzt sind wieder ein US-Student und ein Student in Wien mit Schücking-Themen beschäftigt. Zuletzt konnte auch eine Grundschulklasse aus dem Hümmling niedersachsenweit einen ordentlichen 2. Preis bei einem Literaturwettbewerb der Landesregierung erreichen. Bescheiden darf ich diese kostenlosen Dienstleistungen der Schücking-Gesellschaft und des Museums an dieser Stelle einmal erwähnen.

Das Schücking-Museum mit seinem großen Archiv könnte im Verlauf des weiteren Aus-und Aufbaus ein ganz hervorragender Werbeträger für die emsländische Region werden. Beispiele dafür gibt es nun wirklich genügend im übrigen Deutschland. Eine Wertung, die auch von Fachleuten für Imagewerbung geäußert wird, nicht allein von mir, der ich sträflicherweise dachte hier gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Schücking-Gesellschaft etwas uneigennützig für das Emsland zu tun.

Bis auf den heutigen Tag, immerhin besteht das Schücking-Museum seit fünf Jahren, meiden sämtliche Vertreter beziehungsweise Repräsentanten des Landkreises das Museum wie der Teufel das Weihwasser. Nicht eine einzige Einladung wurde angenommen, so dass vom Landkreis eine objektive Beurteilung des Wertes oder der Bedeutung dieses Museums auch nicht erwartet werden kann.Als ich im Dezember 2000 Ihnen, Herr Bröring, in Ihrem Büro (wagemutig!) Sinn und Ziel des Museumsprojektes erläutern wollte, bin ich zumindest zu diesem Thema gar nicht zu Wort gekommen. Sie rieten mir vielmehr wörtlich: „Lassen Sie das Schücking-Museum..." und schlugen mir ein Projekt vor, das ich, so Sie wörtlich, „selber aussuchen" sollte.Das habe ich auch gemacht und Ihnen das ausgereifte Konzept wenig später Anfang Februar zugestellt: ein Autorenlexikon Emsland, ähnlich wie es Westfalen bereits hat.

Auf eine Antwort wartete ich dann rund ein halbes Jahr. Sie entschuldigten sich zwar für diese Nachlässigkeit Ihres Kulturamtes, lehnten aber dann das Lexikon-Projekt nach „fachlicher" Beratung durch Dir Kulturamt ab.

Inzwischen, nur knapp vier Monate nach dieser für mich unerwarteten Ablehnung, ist das Autorenlexikon-Emsland das umfangreichste im Internet (www.autorenlexikon-emsland.de) und so erfolgreich, dass es von den Suchmaschinen bereits auf Platz l genannt wird. Wie von mir vorausgesagt, arbeiten zahlreiche Emsländer engagiert mit und ständig treffen Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet ein. Auch diese Arbeit leisten die Verantwortlichen Erich Jäger und Heinz Thien, mit Unterstützung des Museums, ehrenamtlich. Die Einschätzung Ihres Kulturamtes war also erneut eine grobe Fehleinschätzung. Ist es wirklich so schwer, das zweifellos im Emsland vorhandene Potential an engagierten Kulturschaffenden zu nutzen, statt es immer wieder unmotiviert niederzumachen?

Mit freundlichen Grüßen Heinz Thien


Der Wecker 18.11.2001

Tage des Museums sind gezählt

Schücking-Haus in Sögel steht vor dem Aus

Von Carsten Ammermann

SÖGEL.

Die Türen des Schücking-Museums in Sögel öffnen sich nur noch nach Voranmeldung. Wenn in der nächsten Zeit kein Konzept für die Finanzierung des Museums gefunden wird, dann werden die Türen für immer geschlossen bleiben.

600 Jahre Kulturgeschichte und deutsche Literaturgeschichte präsentiert das Haus in der Schlaunallee 3 in der' emsländischen Ortschaft Sögel. Jetzt stehen die Verant wortlichen der Schücking-Gesellschaft vor finanziellen Problemen. „Wir suchen Geldgeber" , beschreibt Präsident Gerd Gepp die Situation. Kritik übt er in Richtung Landkreis und Samtgemeinde Sögel. Beklagt wird, dass sich beide seit der Eröffnung des Schückings-Museums sehr bescheiden an dem Projekt beteiligt haben. Diese Kritik weist Landrat Hermann Bröring zurück. Er habe von Anfang an da vor gewarnt, eine hauptamtliche Museumsleitung zu installieren. (Mehr auf Seite 14)

Schücking-Museum in Sögel steht vor dem Aus

Entscheidung fällt voraussichtlich am 12. Januar bei der Generalversammlung

Von Carsten Ammermann

SÖGEL.

Das Schücking-Museum in der Ortschaft Sögel präsentiert 600 Jahre Kulturgeschichte und deutsche Literaturgeschichte. Es bewahrt und erforscht nach Auskunft von Museumsleiter Heinz Thien den Nachlass des im 19. Jahrhundert bedeutenden Schriftstellers und Journalisten Levin Schücking (1814 -1883). Schücking wurde am 6. September auf Schloss Clemenswerth geboren. Doch das Museum steht vor dem Aus.

Finanzielle Probleme sind die Gründe. „Wir suchen Geldgeber", beschreibt Gerd Gepp, Präsident der Schücking-Gesellschaft, die Situation.

1997 wurde das einzige Literaturmuseum in Westniedersachsen eröffnet. Träger ist die literarische Schücking-Gesellschaft mit ihren etwa 100 Mitgliedern. Unterstützt wird die Gesellschaft von der Gemeinde Sögel. Sie stellt die Räumlichkeiten in der Schlaunallee.

Kritik üben die Verantwortlichen in Richtung Landkreis Emsland und Samtgemeinde Sögel. Beklagt wird, dass sich der Landkreis und die Samtgemeinde seit Eröffnung des Museums sehr bescheiden an dem Projekt „Schücking-Museum" beteiligt haben. „Wenn das Emsland das Museum nicht haben will, dann kann ich es auch nicht ändern", macht Thien seinem Ärger Luft.

Das wollte Oberkreisdirektor Hermann Bröring so nicht stehen lassen. „Ich habe die in Sögel ansässige Schückinggesellschaft als Träger des gleichnamigen Museums aufgrund der zu erwartenden personellen Folgekosten von Beginn an davor gewarnt, eine hauptamtliche Museumsleitung zu installieren. Nachdem die Gesellschaft diesem Rat nicht folgte und schließlich im Frühjahr 2000 ein Finanzdebakel drohte, haben Landkreis Emsland (19 000 Mark) und Gemeinde Sögel (19 000 Mark ) zusammen einmalig 38 000 Mark und der Landkreis später nochmals 3000 Mark an Zuschüssen gezahlt. Diese Unterstützung erfolgte unter der ausdrücklichen Prämisse, die hauptamtliche Leitung des Musuems bis Ende November 2000 aufzugeben und bis dahin ein Konzept für eine ehrenamtliche Führung der Einrichtung auszuarbeiten. In dieser Hinsicht ist allerdmgs bisher offensichtlich nichts geschehen", teilte Bröring auf Anfrage mit.

Im Landkreis Emsland gibt es insgesamt 20 Museen. Davon erhalten sechs Museen aufgrund ihrer überregionalen Bedeutung für die emsländi-schen Geschichte Zuschüsse des Kreises oder werden vom Landkreis selbst betrieben. Alle anderen, so Pressesprecher Günter Wigbers, werden auf ehrenamtlicher beziehungsweise gemeindlicher Basis geführt. „Der Landkreis engagiert sich ohnehin in Sögel mit Millionenbeträgen an der Erhaltung und Sanierung des Schlosses Clemenswerth, das gerade auch der Gemeinde ein einmaliges kulturtouristisches Highlight bietet. Mein alternatives Angebot, das Lebenswerk von Schücking in einer Dauer ausstellung auf Schloß Clemenswerth zu würdigen, für dessen Präsentation es keiner zusätzlichen hauptamtlichen Museumsfachkraft bedarf, ist bisher nicht angenommen worden", führte der Oberkreisdirektor aus.

Bröring machte deutlich, dass bei aller Wertschätzung des Engagements des bisherigen Museumsleiters und des Lebenswerkes von Schücking weitere finanzielle Zusagen des Landkreises nicht zu rechtfertigen seien. „Wenn es darüber eine Diskussion geben soll, dann muss in diesem Zusammenhang auch darüber nachgedacht werden, wie beispielsweise das Lebenswerk von Ludwig Windthorst zu würdigen ist", machte der Landrat auf einen weiteren herausragenden Emsländer aufmerksam. „Die Schückinggesellschaft kann auf der einen Seite nicht an einer hauptamtlichen Museumsleitung festhalten und damit eine Dauerbeschäftigung für Herrn Thien fordern, auf der anderen Seite aber die dafür notwendigen finanziellen Mitteln von der öffentlichen Hand beanspruchen."

Touristen, Heimatforscher Studenten und Schüler, die das Museum besichtigen wollen, können dies nur noch nach Voranmeldung. Die Türen sind bereits geschlossen. Und wenn keine finanziellen Mittel fließen, könnte das die endgültige Schließung des Schücking-Museums bedeuten. „Wir arbeiten daran, weitermachen zu können", hofft der Präsident noch auf eine Wende. Viel Zeit bleibt Gepp jedenfalls nicht. Am 12. Januar steht die Generalversammlung an. Und da wollen die Mitglieder sicherlich wissen, wie es mit dem Museum und mit der Gesellschaft weitergeht. Denn wenn das Schücking-Museum schließt, dann dürfte sich auch die Schücking-Gesellschaft auflösen.

Sollte das Museum geschlossen werden, dann müssten die geliehenen Exponate an die Eigentümer zurückgegeben werden.

 

Levin Schücking

Schriftsteller und Literaturkritiker aus Sögel

SÖGEL. Levin Schücking, am 6. September 1814 auf Schloss Clemenswerth in Sögel geboren, betätigte sich nach dem Jura-Studium in Münster, Heidelberg und Göttingen als freier Schriftsteller.

Seine kulturhistorischen und zeitgenössischen Novellen und Romane zeichnen sich durch einen realistischen und klaren Erzählstil aus.

Schücking schrieb etwa 200 Romane, Novellen und wissenschaftliche Werke. Er galt als bedeutender Literaturkritiker seiner Zeit. Der Journalist und Auslandskorrespondent - unter anderem war er in Frankreich, England und Italien tätig -forderte schon 1845 die Pressefreiheit und Frauenemanzipation. 1844 übernimmt Schücking die Leitung des Feuilletons der „Kölnischen Zeitung". 1864 erhält er die Ehrendoktorwürde der Universität Gießen. Levin Schücking starb am 31. August 1883 in Bad Pyrmont.

Werke: „Das malerische und romantische Westphalen", „Der Dom zu Köm und seine Vollendung", „Die Ritterbürtigen", Biografie „Annette von Droste - ein Lebensbild", „Das Stiftsfräulein", „Ein Schloß am Meer", „Eine dunkle That".  

-ca


Emsszeitung 07.08.2001

Kai Engelke las aus seinem Roman "Blut, Schweiß und Träume" im Marstall Clemenswerth. (Foto: Thien)

Kai Engelke las aus seinem Roman „Blut, Schweiß und Träume“ im Marstall Clemenswerth.

Engelke: Aus dem Leben eines jungen Sinti-Boxers

Sommerlesung der literarischen Schücking-Gesellschaft

Sögel (hth)

Eine Geschichte voller Dramatik, Tempo, spannend und engagiert vorgetragen, präsentierte der Surwolder Schriftsteller Kai Engelke im Bistro des Marstalls Clemenswerth in Sögel mit seinem Roman „Blut, Schweiß und Träume“. Zu der sehr gut besuchten Veranstaltung hatte die Schücking-Gesellschaft im Rahmen ihrer Vortragsreihe „Poesie und Musik“ eingeladen.

Engelke, begleitet vom Danny Weiss Duo (Gitarre) mit authentischem Zigeuner-Swing, schilderte wesentliche Abschnitte aus dem Leben des jungen Sinti-Boxers Joschi Reinhardt. Historisches Vorbild ist der hannoversche Sinti-Boxer Wilhelm Trollmann (1907-1943), den die Nazis 1933 um die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht betrogen und zehn Jahre später im KZ Neuengamme ermordet  hatten. Eine Vita, die eigentlich nicht überrascht in jener dramatisch-unmenschlichen Zeit, doch versetzte Engelke seinen Roman in die Gegenwart, auch um heutige gesellschaftliche Fehlentwicklungen anzuprangern. Das ist dem emsländischen Literaten ordentlich gelungen. Auch die aufmerksame Zuhörerschaft wünschte dem Buch (Ems Zeitung: „..so wird der Leser das Buch während einer schlaflosen Nacht nicht wieder aus der Hand legen...“) möglichst weite Verbreitung.

Die nächste Veranstaltung der Schücking-Gesellschaft in der Reihe „Poesie und Musik“ findet am Sonntag (28. Oktober 2001) um 15.30 Uhr wieder im Marstall Schloß Clemenswerth in Sögel statt. Eingeladen ist der ostfriesische Kriminalschriftsteller Peter Gerdes, der, musikalisch begleitet vom Saxofonquartett „Camalema“, aus eigenen Kurzkrimis vorliest.


Emszeitung 15.06.2001

Zur Siegerehrung nach Hannover

Hauptpreis beim „Literatur@tlas"

Groß Berßen/Hüven

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse vier der Grundschule Groß Berßen/Hüven werden am Montag, 25. Juni, in die Landeshauptstadt Hannover fahren, um dort aus den Händen von Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper einen von acht Hauptpreisen des Wettbewerbs „Literatur@tlas Niedersachsen" entgegenzunehmen.

Die Grundschüler aus dem Hümmling hatten sich über mehrere Wochen mit dem Dichter Levin Schücking auseinander gesetzt, das Schücking-Museum in Sögel besucht und dort weit reichende Recherchen zum Leben und zu den Werken des von 1815-183 im Hümmling arbeitenden Literaten angestellt. Sämtliche Schülerarbeiten werden seit einiger Zeit im Internet präsentiert. Die Website wurde zugleich als Projektbeitrag der Grundschule für den landesweiten Wettbewerb „Literatur@tlas" eingereicht.

Nachdem die Jury am Mittwoch ihr Urteil zu allen eingereichten Wettbewerbsbeiträgen gefällt hat, kam am Donnerstag bei Schulleiterin Mechthild Wigbers ein Anruf aus dem Kultusministerium. Alle Schülerinnen und Schüler der Klasse vier sind nach Hannover eingeladen, um einen der Hauptpreise entgegenzunehmen. Welchen Platz die Schüler tatsächlich erreicht haben, werden sie erst in Hannover erfahren. Die Spannung ist derweil riesengroß, winken doch Preise im Wert zwischen 1000 und 20000 DM. Der Wettbewerbsbeitrag der Grundschule Groß Berßen/ Hüven ist auch im Internet unter www.literaturatlas.de zu finden.


Lathen online ...unterwegs!

Historische Bücherschätze im Internet gefunden!

Erstauflage von Schückings berühmtesten Roman Die Ritterbürtigen, 1846 in drei Bänden vom Brockhaus-Verlag herausgegeben

Wertvolle Erstauflagen des Literaten Levin Schücking aus vier Ländern auf Pressekonferenz vorgestellt

Heinz Thien, Leiter des Schücking-Museums in Sögel, und Gerd Gepp, Präsident der literarischen Schücking-Gesellschaft, ist die Freude über ihren „großen bibliophilen Fund“ in den strahlenden Gesichtern anzusehen. Heinz Thien bezeichnet die rund 70 Bücher, meist Erstauflagen des Schriftstellers Levin Schücking (1814-1883) als bedeutendste Anschaffung seit Gründung des Museums vor vier Jahren. Ohne das Internet wäre dies allerdings nicht möglich gewesen, denn fast alle Werke stammten aus digitalen Antiquariaten aus vier europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz und England!). „Ein Schatz!“, so Gerd Gepp.

Thien: „Die Funde belegen zweifelsfrei die herausragende Bedeutung des aus dem Emsland stammenden Schriftstellers, Journalisten und Kulturkritikers Levin Schücking im 19. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein. Schücking war kein Heimatautor, sondern schuf national und europaweit anerkannte Literatur. Davon zeugen auch die zahlreichen Neuauflagen vieler seiner Werke und seine Übersetzungen aus dem Französischen (Rousseau, Le Sage) bis in unsere Zeit hinein!“

Herausragendste Funde, so Thien, sind die Erstauflage von Schückings berühmtesten Roman „Die Ritterbürtigen“, 1846 in drei Bänden vom Brockhaus-Verlag herausgegeben. Dieser Roman, später noch zweimal neu aufgelegt, galt nach dem damaligen Literaturkritiker Robert Prutz als einer der besten zeitgenössischen deutschen Romane, war aber heftig umstritten. Schücking selber aber war mit diesem „Frühwerk“ bald äußerst unzufrieden und überarbeitete das Werk für die 2. Auflage fast vollständig. Aus heutiger Sicht hat Schücking, so Thien, tatsächlich später wesentlich bessere Literatur geschaffen und stand 1846 erst am Beginn seiner schriftstellerischen Karriere. Thien: „Ich habe fast zwölf Jahre nach dieser Erstauflage gesucht. Jetzt fanden wir sie in einem österreichischen Antiquariat und griffen sofort zu!“

Ein anderer nicht geringer einzuschätzender Fund sei die Erstauflage der „Gesammelten Erzählungen und Novellen“ in 6 Bänden aus dem Jahre 1859 aus dem Rümpler-Verlag Hannover. Gefunden habe man diese komplette Ausgabe im Internetangebot eines britischen Antiquariats! Gerade dieser Fund sei für den Literaturhistoriker von ganz außerordentlichem Interesse. So habe man völlig überraschend in den Büchern handschriftliche Eintragungen und Exlibris von historisch bedeutenden Persönlichkeiten gefunden. So zum Beispiel zwei Exlibris des bedeutenden deutschen Historikers Veit Valentin (1885-1947), dessen Signatur und handschriftliche Eintragungen: „Aus dem Nachlaß von Prof. Dr. C. Koch“ (1809-1879). Veit Valentin, der als Pazifist zu Lebzeiten Kontakte mit Mitgliedern der Familie Schücking und Carl von Ossietzky hatte, war entschiedener Gegner der Nazis, verlor 1933 seine Professur und alle Bezüge und emigrierte nach England. Offensichtlich hatte er diese Bücher mit auf die britische Insel genommen. Eine weitere Eintragung weist nach, dass  die Novellen u. a. an die erste Frau des Nobelpreisträgers Prof. Robert Koch (vom 1. 2. bis 28. 2. 1869) ausgeliehen worden waren. Weitere Ausleiher waren der französische Politiker und Schiftsteller Graf Gasparin (1810-1871) und andere Persönlichkeiten. Als Letztbesitzer, auch durch ein weiteres Exlibris belegt, war ein bekannter Heine-Forscher.

Weitere Besonderheiten sind mehrere Jahrgangsbände der Westermanns Monatshefte, einer davon mit Schückings Memoiren, Die Gartenlaube, ein Exemplar des von Schücking herausgegebenen „Rheinischen Jahrbuches“ von 1846, die von Schücking herausgegebene Anthologie „Helvetia“ von 1851 mit Erstveröffentlichungen bedeutender deutscher Dichtung. Thien: „Schückings 1851 herausgegebene und in der Literaturgeschichte vielzitierte Anthologie „Italia“ mit  Erstveröffentlichungen deutscher Italiendichtung suchen wir noch!“ Vielleicht könne auch hier das Internet helfen.

Abgerundet wird der Fund durch einen gebundenen Jahrgang des „Münchner Conversationsblattes“ (1848), das „Urania-Taschenbuch“ des Brockhaus-Verlages ebenfalls aus dem Revolutionsjahr 1848, mehrere Exemplare der 1933 verbotenenen „Weltbühne“ sowie Rousseau- und Le Sage-Übersetzungen Schückings, mehrere ältere Zeitschriften mit Schücking-Beiträgen und einige zeitgenössische Stahlstiche.

Gerd Gepp und Heinz Thien

Gerd Gepp und Heinz Thien sind sich einig darüber, dass der „großartige Fund“ ein willkommener Glücksfall für die Schücking-Forschung ist. Sie belege die Bedeutung dieses herausragenden Autors für die deutsche Literaturgeschichte.

-Erich Jäger-


Der Wecker 27.05.2001

Das Internet machts möglich

Schücking-Museum in Sögel findet 70 literarische Werke des Schriftstellers

Von Edgar Behrendt

SÖGEL. Als „größten Schatz, den wir in den letzten vier Jahren angeschafft haben", bezeichnet Heinz Thien, Leiter des Schücking-Museums in Sögel, rund 70 Bücher des Emsländer Schriftstellers Levin Schücking (1814-1883), die er jetzt über das Internet fand. Mehrere Wochen hatte Thien über das Medium nach verschollenen Werken Schückings geforscht. Gefunden hat er unter anderem eine Erstausgabe des berühmtesten und seinerzeit heftig umstrittenen Romans „Die Ritterbürtigen". „Mit einem solchen Fund hatten wir nicht gerechnet", sagt Gerd Gepp, Präsident der Schücking-Gesellschaft. Ein Sponsor finanziert die Anschaffung. (Mehr auf S. 24)

Internet leistet historische Dienste

Schücking-Museum in Sögel gelangt über das neue Medium an wertvolle Schätze des Schriftstellers Levin Schücking

Von Edgar Behrendt 

SOEGEL. „Ohne das Internet hätten wir diese Werke niemals gefunden", sagt Museumsleiter Heinz Thien. Viele Wochen Arbeit hat er investiert. Ein Aufwand, der sich lohnen sollte. Rund 70 Bücher von Levin Schücking hat er erstanden. Die neuen historischen Schätze für das Schücking-Museum in Sögel stammen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, der Schweiz und sogar aus England.

Die Fundorte seien ein weiterer Beweis dafür, dass Levin Schücking kein Heimat-Autor gewesen sei, sondern national und europaweit anerkannte Literatur erschaffen habe, so Thien. Davon zeugten nicht nur die zahlreichen Neuauflagen seiner Bücher, sondern auch viele Übersetzungen bedeutender französischer Literatur.

Herausragendster Fund ist laut Thien die Erstauflage von Schückings berühmtestem Roman „Die Ritterbürtigen", 1846 vom Leipziger Brockhaus-Verlag in drei Bänden herausgegeben. „Zwölf Jahre haben ich danach gesucht", freut sich der Historiker. Nicht einmal über Fernleihe seien diese drei Werke zu bekommen gewesen. Vor sieben Jahren sei dem Schücking-Museum der Roman einmal für 4 000 Mark angeboten worden. Seinerzeit wurde versucht, den Betrag über Sponsoren zusammenzubekommen, doch bevor dieses gelang, hatte längst ein anderes Museum zugegriffen.

Nicht weniger interessant seien gerade für den Landkreis Emsland die Memoiren Schückings, von denen bisher nur Kopien im Besitz der Gesellschaft waren. Jetzt gehören dem Museum mehrere gebundene Jahrgangsbände der Westermann Monatshefte. Das dieses bedeutende Blatt die Memoiren Schückings in Fortsetzung herausgebracht habe, unterstreiche die Bedeutung dieses Literaten im 19. Jahrhundert, hebt Thien hervor.

Als ganz besonderen Schatz, „der eine eigene Vitrine verdient", bezeichnet der Museumsleiter die Erstauflage der „Gesammelten Erzählungen und Novellen" in sechs Bänden aus dem Jahre 1859 aus dem Carl Rümpler Verlag in Hannover. Gefunden wurden diese in England. Überraschend enthielten diese Bände mehrere handschriftliche Eintragungen, so unter anderem von einem der bedeutendsten deutschen Historiker, Veit Valentin. Der als Pazifist bekannte Valentin hatte Kontakte zu Mitgliedern der Familie Schücking und zu Carl von Ossietz-ky. Als Gegner der Nazis verlor er 1933 seine Professur und alle Bezüge. Er emigrierte nach England. In einem der Bände ist zu erkennen, dass Valentin die Schücking-Novellen aus dem Nachlass von Professor Dr. Carl Koch erworben hatte. Möglicherweise - das möchte Heinz Thien als nächstes herausfinden - war der bekannte Mediziner und Botaniker verwandt mit dem Nobelpreisträger Professor Dr. Robert Koch. Zumindest war das Buch laut einer handschriftlichen Eintragung für vier Wochen - vom l. bis zum 28. Februar 1869 - an dessen erste Frau ausgeliehen.


Sonntags Report 27.05.2001

Schücking-Gesellschaft erwarb mehrere seltene Schriften via Internet

Funde auf dem Datenhighway

Sögel. Einen ganz besonderen Schatz hat die Schücking-Gesellschaft in den vergangenen Wochen „ausgehoben" und am Freitag der Öffentlichkeit präsentiert.

Als einen „Glücksfall für die Schücking-Forschung" bezeichnete Museumsleiter Heinz Thien die Funde in Antiquariaten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und England. Mit Hilfe des Internets stieß der umtriebige Museumsleiter auf zahlreiche Funde, die die herausragende Bedeutung des aus dem Emsland stammenden Schriftstellers und Journalisten Levin Schücking (1814-1883) dokumentieren. Mit Hilfe eines ungenannten Sponsors konnten mehrere historische Bücher und Zeitschriften durch die Schücking-Gesellschaft erworben und nach Sögel gebracht werden. „Das ist ein Schatz, auf den wir sehr stolz sind", so Thien. Er bezeichnete die Funde als den „größten Schatz der letzten vier Jahre".

„Die Ritterbürtigen"

Zu den Neuerwerbungen der Gesellschaft zählt unter anderem eine Erstauflage von Schückings berühmtesten Roman „Die Ritterbürtigen". Thien selber hatte rund zwölf Jahre nach dieser Erstausgabe gesucht. In einem englischen Antiquariat tauchte die Erstauflage von „Gesammelte Erzählungen und Novellen" in sechs Bänden wieder auf. Diese sind vor allem durch ihre handschriftlichen Eintragungen interessant, belegen sie doch, dass zahlreiche prominente Persönlichkeiten Schückings Werke kannten, so etwa Carl von Ossietzky.

Thien und der Präsident der Schücking-Gesellschaft, Gerd Gepp, sind sich darüber einig, iss mit den Neuerwerbungen auch die Bedeutung Schückings weiter wachsen wird. Er sei kein Heimatschriftsteller, wie oft dargestellt, sondern ein europäischer Autor. Dass sein Schaffen im Emsland lange Zeit verkannt worden sei, liege daran, dass es zu Lebzeiten Schückings keine Zeitungen im Emsland gegeben habe.

Frank Köster


Emszeitung  26.05.2001

"70 Schücking-Schätze via Internet entdeckt"

Museum wurde in digitalen Antiquariaten fündig

Sögel (kd)
Als ,,unseren bedeutendsten bibliophilen Fund der letzen vier Jahre", hat Heinz Thien, Leiter des Sögeler Schücking-Museums, den Erwerb von 70 Büchern und Heften mit Werken des Literaten und Publizisten Levin Schücking (1814-1883) bezeichnet. Die ,,wertvollen historischen Schätze" entdeckte das Museum via Internet in internationalen digitalen Antiquariaten.

Der Fund unterstreiche nachhaltig die Bedeutung Levin Schückings als wichtigen Autor des 19. Jahrhunderts, sagte Thien gestern bei der Vorstellung der Werke. Der Literat, der seine Jungendzeit in Sögel verbracht hatte, habe Werke geschaffen, die bis in die heutige Zeit europaweit anerkannt seien. Davon zeugten auch die zahlreichen Neuauflagen und Übersetzungen seiner Bücher. Für das Emsland stelle Schücking eine Figur von weitreichender Ausstrahlung dar.

Die neu erstandenen Originale seien wertvolle Quellen, um die Schücking-Forschung weiter zu beflügeln, untermauerte Heinz Thien weiter. Sie zeigten unter anderem, wie vielschichtig die Verbindungen des Literaten zu Personen der Zeitgeschichte gewesen seien und wie groß die Akzeptanz seiner Romane und Erzählungen ebenfalls bei renommierten Persönlichkeiten sei. Man sei erfreut, die Werke für das Museum gesichert zu haben, pflichtete der Präsident der Schücking-Gesellschaft, Gerd Gepp, bei. Die Anschaffung habe im Übrigen erst durch eine namhafte Spende verwirklicht werden können.

Eine Erstauflage des Romans ,,Die Ritterbürtigen", 1846 in drei Bänden vom Leipziger Brockhaus-Verlaug herausgegeben, sechs Bänder ,,Gesammelte Erzählungen und Novellen" (1859, Carl-Rümpler-Verlag in Hannover) mit handschriftlichen Eintragungen des Historikers Veit Valentin (1885-1947) sowie mehrere gebundene Jahrgangsbände ,,Westermanns Monatshefte" aus dem 19. Jahrhundert unter anderem mit den Memoiren Levin Schückings, zeigte Heinz Thien als die ,,herausragendsten Funde" auf. Daneben belegten die erworbenen Zeitschriften wie Exemplare der ,,Weltbühne" oder des ,,Münchener Conversationsblattes" (aus dem Jahr 1948) sowie die Anthologie ,,Helvetia" aus dem Jahr 1851, die hohe Stellung, die Schücking bereits zu Lebzeiten genossen habe.

In internationalen Antiquariaten recherchierte Heinz Thien auf der Suche Werken von Levin Schücking. Die Anschaffungen stammten aus vier Ländern, berichtete der Museumsleiter. Im Internet seien zahlreiche Bücher Schückings zu finden, weckte Thien Gelüste auf weitere Anschaffungen. Mancher gern verwirklichte Wunsch müsse für das Museum allerdings unerfüllt bleiben, blickte er auf die zum Teil recht stolzen Preise, die für Schücking-Originalausgaben zu zahlen seien. Die Sögeler Einrichtung müsse sich weitgehend mit ,,Schnäppchen" bescheiden, wie es dem Haus nun mit dem Erwerb der 70 Bücher gelungen sei. Den Blick hat Heinz Thien dafür stets geschärft, mindestens zweimal in der Woche sichtet er die aktuellen Eingänge in den Internet-Antiquariaten ...