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Levin Schücking

Louise von Gall Alfred Schücking Modestus Schücking Catharina Busch Annette von Droste-Hülshoff
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Levin Schücking

Levin Schücking (Christoph Bernhard Levin Matthias) geboren am 6. September 1814 in Meppen, gestorben am 31. August 1883 in Bad Pyrmont, Schriftsteller, Journalist, Literaturkritiker, Historiker

Kurzbeschreibung:

Schrieb etwa 200 Romane, Novellen, Dramen und wiss. Werke. Bedeutender Literaturkritiker seiner Zeit, gilt als Gründer des deutschen Feuilletons. Liberaler Journalist und einer der ersten deutschen Auslandskorrespondenten in Frankreich, England und Italien. Forderte schon 1845 Pressefreiheit und Frauenemanzipation. 1848 publizistischer Beobachter und Kommentator in der Frankfurter Paulskirche. Stand Jungdeutschland nahe. Zusammenarbeit mit Gutzkow, Freiligrath, Engels und Heinrich Heine. "Entdecker" und bedeutendster Förderer der Annette von Droste-Hülshoff.

Levin Schücking war der älteste Sohn des arenbergischen Amtmanns und Richters für das Amt Hümmling, Paulus Modestus Schücking und seiner Ehefrau Sybilla Catharina Elisabeth Busch. Er heiratete am 7. Oktober 1843 die Schriftstellerin Louise von Gall. Das Paar hatte fünf Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb. Levin Schücking verbrachte seine Kindheit von Anfang 1815 bis 1829 in Sögel und wuchs im Marstall des Jagdschlosses Clemenswerth auf. Danach besuchte er nacheinander das Gymnasium Paulinum in Münster und das Carolinum in Osnabrück. Anschließend absolvierte er ein Studium der Jurisprudenz an den Universitäten in München, Heidelberg und Göttingen. Im Frühjahr 1830 traf Schücking als Knabe erstmals mit Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) zusammen, die mit seiner Mutter Catharina Busch befreundet war. Nach dem Tode der Mutter (1831) und der Entlassung des Vaters aus dem Staatsdienst (1837) bemühte sich die Droste-Hülshoff um die weitere Entwicklung des Studenten, der allerdings schon früh ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein an den Tag legte.

Ab 1838 veröffentlichte Levin Schücking seine ersten literarischen Gehversuche in der von Karl Gutzkow (1811-1878) redigierten Zeitschrift „Telegraph für Deutschland" aus dem Verlag Hoffmann und Campe. 1840/41 erschien sein erstes größeres Werk, „Das malerische und romantische Westphalen", ebenso seine erste Shakespeare-Übersetzung. Zu dieser Zeit unternahm Schücking gemeinsam mit Friedrich Engels (1820-1895) erste Versuche, das poetische Werk der Droste-Hülshoff einer größeren Leserschaft bekanntzumachen, nachdem deren erstes, 1838 von der Aschendorffschen Buchhandlung in Münster herausgegebenes Werk „Gedichte von Annette Elisabeth v. D... H..." in den Regalen liegengeblieben war. Der junge Engels hatte sich zu dieser Zeit für den Autor Schücking, der „gegen das Übel in Politik und Religion und gegen überlieferte bornierte Meinungen und Konventionen auftrat", begeistert. Während Schücking schon 1838 die erste wohlwollende Droste-Rezension herausbrachte, schrieb Engels 1840 im „Telegraph" über die Literatur der Droste. Weitere gemeinsame literarische Pläne von Engels und Schücking, die brieflich überliefert sind, zerschlugen sich wohl, da beide Autoren in der Folge unterschiedliche politische Wege beschritten.

Schückings literarischer Aufstieg zu dieser Zeit kann uneingeschränkt „kometenhaft" genannt werden. Die Erfolgslisten der Leihbibliotheken aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wiesen ihn neben Friedrich Wilhelm Hackländer (1816-1871) und L. Mühlbach als meistgelesenen Autoren aus. Hinzu kamen seine zahlreichen Veröffentlichungen und Vorabveröffentlichungen seiner Romane und Novellen in den Feuilletons der führenden deutschen Blätter, so daß verständlich wird, daß Zeitgenossen vom „berühmten Schücking" sprachen. Selbst Dichtergrößen wie Heinrich Heine (1797-1856) suchten geradezu Schückings Protektion. Ihm gelang früh der Zugang zur damaligen Presse und den literarischen und journalistischen Größen dieser Zeit, und -ganz besonders wichtig - zu den maßgeblichen Verlegern wie Cotta und Brockhaus.

In vielen seiner Romane und Novellen beschrieb Schücking Menschen, Landschaft und Gebräuche seiner emsländischen Heimat, so vor allem in Die Ritterbürtigen", „Eine Eisenbahnfahrt durch Westphalen", „Ein Papen-burger Handelshaus", „Wippinger Thekla", „Clemenswerth" sowie in seinen Memoiren, den „Lebenserinnerungen".

Von ausschlaggebender Bedeutung für Levin Schückings Karriere als Literat, Journalist und gefragter Literaturkritiker war seine frühe Bekanntschaft mit Karl Gutzkow. Gutzkow, dem Georg Büchner (1813-1837) und Christian Friedrich Hebbel (1813-1863) ihren literarischen Ruhm verdanken, erkannte auch das Talent Schückings und stand als Mentor am Beginn der literarischen Entwicklung Schückings.

Schücking wurde 1843 Feuilletonredakteur bei der „Allgemeinen Zeitung" in Augsburg. 1845 wechselte er zum Feuilleton der liberalen „Kölnischen Zeitung". Hier, in der Domstadt, wurde sein Heim zu einem bekannten Treffpunkt der deutschen Literaten. Schücking, der das Feuilleton der „Kölnischen Zeitung" ausbaute, traf in dieser Zeit mehrmals mit Heinrich Heine in Paris zusammen und wurde von seinem Verleger zu den Brennpunkten europäischer Politik ins In- und Ausland geschickt. Beispielsweise war er 1848/49 Beobachter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Neben Paris besuchte er Rom, London und Neapel. Von 1836 bis zu seinem Tode 1883 schuf Schücking, dessen Werke teils ins Englische, Italienische. Niederländische und Ungarische übersetzt wurden, fast 200 Romane, Novellen, Dramen und wissenschaftliche Werke sowie in seiner Frühzeit auch zahlreiche Gedichte, die ebenfalls bei seinen Zeitgenossen begeisterte Aufnahme fanden.

So nannte der führende Literaturkritiker Robert Prutz 1859 in „Die deutsche Literatur der Gegenwart" Levin Schücking einen großen Literaten, einen Meister des Details und bezeichnete Schückings Roman „Die Ritterbürtigen" als einen der besten Romane, die wir besäßen. Im Brockhaus hieß es schon 1854: "Die Romane Levin Schückings gehören anerkanntermaßen zu den besten, welche die deutsche Literatur hervorgebracht hat.". Noch größere Anerkennung fanden Schückings Novellen. Mehrfach wurden Schückings Romane als „Ausgewählte Werke" in bis zu zwölf Bänden aufgelegt (1864, 1866, 1874), auch nach seinem Tode in den 1920er und 1960er Jahren. Zwei Jahre nach seinem Tode erschienen Schückings unvollendete Memoiren (1886) in Buchform, nachdem zu Lebzeiten ein Vorabdruck in den „Westermann Monatsheften" erfolgt war.

Schücking betätigte sich auch als Dramatiker mit wechselhaftem Erfolg auf den Bühnen der großen deutschen Städte. Sechzehn Dramen, von denen er einige nachträglich zu Romanen oder Novellen umarbeitete, sind bekannt. Bei der Stoffwahl zeigte er sich vor allem als Historiker, bewies schöpferische und dichterische Phantasie.

Schücking gebührt das Verdienst, die Werke der Annette von Droste-Hülshoff in die deutsche Literatur eingeführt zu haben. Er war es, der die erste Droste-Rezension (1838) schrieb und 1862 die erste Droste-Biographie („Annette von Droste - ein Lebensbild" veröffentlichte.

Schücking regte die zurückgezogen lebende Droste zu literarischen Höhenflügen an, sorgte mit Hilfe seiner Verbindungen zu Verlagen und Zeitschriften für die Veröffentlichung der Droste-Arbeiten in den deutschen und österreichischen Feuilletons und übernahm sogar die Honorarverhandlungen für die Droste mit den jeweiligen Verlegern. Für ein einziges von Schücking ausgehandeltes Honorar konnte sich die Dichterin beispielsweise das sogenannte Fürstenhäusle am Bodensee kaufen.

Nach der Heirat Schückings mit der damals ebenfalls schon recht bekannten Literatin Louise von Gall (1843) und dem Erscheinen seines kritischen Romans „Die Ritterbürtigen" (1846) kam es zum Bruch in der bis dahin so fruchtbaren Verbindung Schücking-Droste, der bis heute den Biographen immer noch Stoff für die unterschiedlichsten Spekulationen gibt.

Levin Schücking siedelte 1852 nach Beendigung seiner Redakteurstätigkeit bei der „Kölnischen Zeitung" mit seiner Familie ins westfälische Sassenberg über. Hier hatte er von Verwandten das vom Fürstbischöflich Münsterischen Kanzler Christoph Bernard Engelbert Schücking (1704-1774) nach den Plänen des Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun (1695-1773) erbaute Anwesen gekauft, das heute als „Haus Schücking" bekannt ist und noch von seinen Nachfahren bewohnt wird.

In der Abgeschiedenheit der westfälischen Landschaft wollten Levin Schücking und seine Gattin Louise weitere gemeinsame literarischen Pläne verwirklichen, zu denen es auch kam. Jedoch starb Schückings Ehefrau am 16. März 1855, wenige Monate nach dem Tode der am 19. September 1854 in Sassenberg geborenen Tochter Adolphine (+ am 9.12.1854).

Schücking gab nach ihrem Tode im Jahr 1856 bei Brockhaus unter dem Titel „Frauenleben" eine zweibändige Sammlung von Novellen und Erzählungen seiner Frau heraus.

Schücking, der auch in seiner Sassenberger Abgeschiedenheit seine Kontakte zur deutschen Literaturbühne nie abreißen ließ, verlegte nun seinen Wohnsitz - vor allem in den Wintern - nach Münster und reiste erneut in die großen Städte Europas wie London, Berlin, Wien und vornehmlich nach Rom, wo er stets, bis zu seinem letzten Lebensjahr, in der deutschen Künstlerkolonie herzliche Aufnahme fand. Als berühmter Autor und Journalist erführ Schücking manche Ehrung. So verlieh ihm 1862 die Universität Gießen den Ehrendoktortitel. Außerdem war er Inhaber des herzoglich-sächsischen Verdienstkreuzes für Kunst und Wissenschaft sowie des Ritterkreuzes l. Klasse des großherzoglich-hessischen Ordens.


Louise von Gall

Louise von Gall (Johanna Udalrike Louise Freiin von Gall)
geboren am 15. September 1815 in Darmstadt, gestorben am 16. März 1855 in Sassenberg, 
Schriftstellerin

Kurzbeschreibung:

Die Gattin Levin Schückings galt zu ihrer Zeit als große literarische Hoffnung. Schrieb vielbeachtete Romane und Novellen aus der Sicht der Frau. War u. a. auch als Korrespondentin in Italien (Kölnische Zeitung) tätig. Ihr früher Tod beendete ihre vielversprechende Karriere.

Louise von Gall war die einzige Tochter des Freiherrn Ludwig Christian Philipp von Gall (1769-1815) und dessen Ehefrau Friederike Eleonore von Müller (1784-1841). Sie heiratete am 7. Oktober 1843 den Schriftsteller Le-vin Schücking. Das Paar hatte fünf Kinder, von denen das letzte wenige Monate nach der Geburt starb. Louise von Gall wuchs in Darmstadt auf und genoß die bestmögliche Erziehung. Ihre Mutter erkannte schnell das Talent Louises und setzte ihr Vermögen und die Beziehungen der Familie ein, um ihrer Tochter optimale Ausbildungsmöglichkeiten bieten zu können. So sprach Louise schon als Kind fließend Englisch, Französisch und Italienisch, malte und verfaßte Gedichte und Lustspiele. Um Louise eine noch bessere musikalische Ausbildung zu bieten, zog die Mutter mit ihr nach Wien. Nach dem plötzlichen Tode der Mutter suchte Louise zunächst Trost bei ihrer Freundin Marie von Horvath in der ungarischen Pußta und kehrte bald nach Darmstadt zurück. Hier widmete sie sich ausschließlich der Poesie und freundete sich mit einem Kreis junger Literaten an, dem die bereits im Licht des öffentlichen Interesses stehenden Dichter Ferdinand Freiligrath, Simrock, Geibel, Longfellow und Adelheid Stolterfoth, sowie der Maler Schlickum angehörten. Mit ihnen zusammen verbrachte sie 1842 den in der Literaturgeschichte vielbeschriebenen „Poetensommer" am Rhein.

Freiligrath vermittelte während dieser Gelegenheit die Bekanntschaft Louises mit Levin Schücking, die einen romantischen Briefwechsel zur Folge hatte, in dessen Folge Louise und Levin sich lieben lernten und schließlich verlobten, ohne sich gesehen zu haben! Nach ihrer persönlichen Begegnung und kurzer Brautzeit heiratete das Paar am 7. Oktober 1843 in Darmstadt. Literaturwissenschaftler zählen die 1928 in Buchform erschienenen Briefe zwischen Louise von Gall und Levin Schücking zu den schönsten der deutschen Briefliteratur. Louise lebte nach der Heirat mit ihrem Mann Levin zunächst in Augsburg, wo dieser bei der Allgemeinen Zeitung als Feuilletonredakteur tätig war. Schon während dieser Zeit fand sie im deutschsprachigen Raum große Anerkennung als Novellistin und unternahm mit ihrem Gatten mehrere Auslandsreisen nach Italien und Frankreich. Ihre Korrespondentenberichte aus diesen Ländern fanden bei den Lesern der führenden deutschen Blätter große Beachtung.

Nach mehreren Jahren in Köln (Levin arbeitete dort für die Kölnische Zeitung, heute Kölner Stadt-Anzeiger) kaufte das Paar 1852 das Schlaunsche Haus in Sassenberg/Westfalen, um sich dort mit den inzwischen vier Kindern als „freie Schriftsteller" niederzulassen. Hier konnten zwar noch mehrere gemeinsame literarische Projekte verwirklicht werden, wobei wiederum Louises Novellen und Theaterstücke auf wohlwollendes Interesse der Rezensenten stießen, doch starb die vielversprechende Literatin nur wenige Monate nach Geburt und Tod ihre fünftes Kindes am 16. März 1855


Alfred Schücking

Alfred Schücking (Anton Matthias Franz Alfred Schücking) geboren am 4. Juli 1818 in Dülmen,  gestorben am 12. Oktober 1898 in Washington, USA, Diplomat, Anwalt internationalen Rechts, im US-Schatzamt tätig, Königlich-Niederländischer Konsul, deutscher Vizekonsul, Verleger und Journalist

Kurzbeschreibung:

Alfred Schücking war der drittälteste Sohn des arenbergischen Amtmanns und Richters fiir das Amt Hümmling, Paulus Modestus Schücking und seiner Ehefrau Sybilla Catharina Elisabeth Busch. Alfred Schücking heiratete 1846 Sarah Watson, die 1885 starb. Am 15. August 1889 vermählte sich der Witwer mit der Arztin Susan Drapper. Beide Ehen blieben kinderlos.

Alfred Schücking wuchs wie sein älterer Bruder Levin Schücking, mit dem er bis zu dessen Tode 1883 sehr engen Kontakt pflegte, in Sögel im Marstall Clemenswerth und im Ludmillenhof auf (1818-1836). Er besuchte dann nacheinander die Gymnasien Paulinum in Münster und Carolinum in Osnabrück. In Deutsch, Französisch, Englisch und Physik war Alfred Schücking Klassenprimus. 1838 wanderte er gemeinsam mit seinem Vater Paulus Modestus Schücking in die USA aus. Später folgte noch sein Bruder Prosper Ludwig (1829-1887), der 1867 Unterstaatsekretär im State Department wurde. In den USA war Alfred zunächst als Sprachlehrer am Jefferson-College zu Canonsberg und als Herausgeber verschiedener Zeitschriften tätig. 1846 erwarb er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Während sein Vater sich mit den Verhältnissen in der neuen Welt nicht anfreunden konnte und 1840 nach Bremen ging, wo er bis zu seinem Tode im Jahre 1867 blieb, faßte Alfred schnell Fuß. Er knüpfte Kontakte zur deutschsprachigen Presse in Amerika, erlernte das Schriftsetzerhandwerk und gründete u. a. das „Unterhaltungsblatt für Stadt und Land". Während seiner Lehrertätigkeit in Canonsburg machte er die Bekanntschaft von später prominenten Dichtergrößen und Philosophen wie dem Dichter William Lukens Shoemaker (*1822). Schücking gründete gemeinsam mit Prof. Franz Lieber (1880-1872) die erste erfolgreiche deutschsprachige Zeitschrift des amerikanischen Südens, den „Deutschen Courier", der ab 1842 vierzehntägig und bald danach als „Deutsche Zeitung" täglich erschien. Gleichzeitig widmete sich Alfred Schücking dem Rechtsstudium, das römische Recht mit dem englischen

Common Law verbindend. Angesichts seiner Vielseitigkeit war es nicht verwunderlich, daß er in der amerikanischen Geschichte der erste deutsche Journalist mit ordentlichem Sitz im Washingtoner Repräsentantenhaus wurde.

Nachdem Alfred Schücking längere Zeit gleichfalls das auflagenstarke Monatsblatt „Der Deutsche in Amerika" redigiert hatte, ging er in die Geschichte Washingtons ein als der Gründer der ersten deutschsprachigen Zeitung der US-Bundeshauptstadt, der wöchentlich publizierten "National Zeitung". Das in Großformat (Imperial-Form) erscheinende Blatt hatte in Amerika großen Erfolg und leistete auch hinsichtlich der Illustration Pionierarbeit. Es verfügte über Korrespondenten im In- und Ausland und wurde sogar zum offiziellen Regierungsanzeiger ernannt.

Schücking konnte mit Hilfe des Kongreß-Abgeordneten Colonel Tibatts den Kongreß am 15. Juni 1844 dazu bewegen, eine Postbeförderungslinie nach Europa zu gründen. Mit der Inbetriebnahme der beiden Schiffe „Washington" (1847) und „Hermann" (1848) - die „Washington" traf erstmals unter großem Jubel der Bevölkerung am 19. Juni 1847 in Bremen ein - war die erste deutsch-amerikanische Postdampferschifffahrtslinie Wirklichkeit geworden. Alfred Schückings große Verdienste hierbei sind in der damaligen amerikanischen Presse hinreichend gewürdigt worden. In der "Weser-Zeitung" aus Bremen hieß es damals dazu: „Das Verdienst, für dieses glorreiche Unternehmen, das wenn einmal vollständig im Gange, in kommerzieller und politischer Hinsicht für Deutschland unberechenbare Folgen in sich schließt, gehört einem deutschen Regierungsbeamten zu Washington. Herrn Alfred Schücking, Bruder von Levin Schücking zu Cöln."

1846, nach dem Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft und der Heirat mit Sarah Ann Lee Watson (+22.12.1885) am 6. Juni 1846, der Tochter eines Plantagenaufsehers, ließ sich Schücking in der US-Bundeshauptstadt als Anwalt nieder und war zeitweilig im US-Schatzamt tätig. Wegen eines politischen Kurswechsels verlor er sein dortiges Amt 1849. Er widmete sich seiner internationalen Advokatur, wobei er neben Preußen die deutschen Kleinstaaten Hannover, Sachsen, Baden, Oldenburg und Nassau als Generalkonsul sowie überdies die Niederlande als Vizekonsul vertrat. Später diente Schücking dem deutschen Kaiserreich in Washington als Kaiserlich Deutscher Konsularagent. Während dieser Zeit, in der sich Alfred Schücking auch für im Westen der USA von anderen Nationalitäten bedrängte deutsche und irische Immigranten einsetzte, erführ er aufgrund seiner vielfältigen Verdienste auf beiden Seiten des Ozeans zahlreiche Ehrungen, darunter am 23. Juli 1895 das Ritterkreuz l. Klasse durch den Großherzog von Baden. Otto von Bismarck, der spätere Reichskanzler, bedankte sich als preußischer Ministerpräsident persönlich bei Schücking für dessen Schrift " Unterweisung für deutsche Soldaten, Pensionäre und Erben bezüglich der Geltendmachung von Ansprüchen aus geleistetem Militärdienst bei der Regierung der Vereinigten Staaaten von Amerika". 1897 erhielt Schücking auch noch den kaiserlichen Kroneen-Orden.

Alfred Schücking ist von der amerikanischen Presse als "großer Deutsch-Amerikaner", der beispielhafte Pionierarbeit geleistet habe, bezeichnet worden und kann als eine der großen Persönlichkeiten angesehen werden, die das Emsland im 19. Jahrhundert hervorgebracht hat.


Modestus Schücking

Modestus Schücking (Paul Nicolaus Bernhard Joseph, genannt Modestus)
geboren am 13. März 1787 in Münster, gestorben am 16. Juni 1867 in Bremen, Advokat, Richter und Amtmann des Hümmlings, Autor und Historiker

Kurzbeschreibung:

Schrieb zahlreiche philosophische und kirchengeschichtliche Arbeiten, Zeitkritiker, angelehnt an Kant, Hegel und Hermes. Nach seiner Auswanderung in die USA veröffentlichte er kritische Analysen der amerikanischen Gesellschaft.

Paulus Modestus Schücking war ein Sohn des Hofgerichtspräsidenten Christoph Bernhard Maria Schücking (* am 19.6.1748, + 17.7.1826) und dessen Ehefrau Margarethe Hermine Schmitjan (* am 20.7.1753, + am 6.4.1813). Die Schückings sind ein uraltes Geschlecht, das im Bürgerbuch der Stadt Coesfeld bereits im 14. Jahrhundert als "ritterbürtige Patrizier" erscheint und zu hohem Ansehen kam. Paulus Modestus Schücking heiratete am 7. Oktober 1813 die Dichterin Catharina Busch. Das Paar hatte sechs Kinder. Nach dem Tode seiner ersten Frau Catharina heiratete Paulus Modestus am 25. Oktober 1832 die aus Osnabrück stammende Anna Gesina Sophia Otti-lia Brück (* am 13.12.1807 in Osnabrück, + am 13.8.1850 in Dissen).

Nach dem Besuch des Gymnasiums Paulinum in Münster (seit 1799) ging Schücking von 1806 bis 1809 einem Studium der Rechte an der Universität Münster nach. Ab dem 29. September 1809 war er Advokat am Herzoglich Arenbergischen Tribunal I. Instanz zunächst in Meppen, seit 1810 dann in Haselünne. Nach der Einverleibung der Region in das Napoleonische Kaiserreich fungierte der Jurist ab dem l. März 1811 als Kaiserlich Französischer Friedensrichter des Kantons Wesuwe und als Arrondissementrat von Neuenhaus. Mit der erneuten Unterstellung des nördlichen Emslandes unter die arenbergische Standesherrschaft nach dem Untergang des französischen Kaiserreichs sowie dem Übergang der gesamten Region unter der hannoverschen Oberherrschaft ernannte man Schücking zum l. Januar 1815 zum Richter der Königlich Hannoverschen Justizkommission für den Hümmling in Sögel, wo er seit dem 10. April 1828 außerdem als Herzoglich Arenberg-scher Amtmann wirkte.

Der junge Richter und spätere Amtmann entfaltete bald, wie auch unvoreingenommene Historiker attestieren, unterstützt von seiner Gattin Catharina eine „segensreiche Tätigkeit"; deren Spuren bis auf den heutigen Tag im Bereich des Hümmlings noch überall zu sehen sind. So sorgte er für den Ausbau der Straßen- und Postverbindungen und setzte sich für Kirchenneubauten in Werlte (1832) und in Neuarenberg, dem heutigen Gehlenberg (1831), sowie einem Neubau des Pfarrhauses in Sögel ein.

Außergewöhnlich für jene Zeit war sein sozialer Einsatz für die in tiefer Armut lebenden Moorkolonisten, die er regelmäßig in ihren Hütten aufsuchte und für die er Bittgänge bei der herzoglichen Hofkammer unternahm. Das soziale Engagement der Eheleute Schücking wurde weithin bekannt. Bittsteller aus dem gesamten Hümmling waren vor dem Amtshaus im Marstall Clemenswerth bei Sögel die Regel. Auf Schückings Initiative hin wurden nicht nur Mühlen auf dem Hümmling gebaut und Straßen mit schützenden Alleen, sondern auch der Amtsbrunnen in Sögel, für dessen Errichtung er 20 Thaier stiftete, sowie der Ludmillenhof in Sögel, dessen Entwurf von ihm selbst stammte. Verwirklicht wurde der Entwurf vom Haselünner Architekten Josef Niehaus (1802-1864), dem Bauinspektor des Herzogs von Arenberg, mit dem Schücking auch bei den anderen Projekten zusammenarbeitete.

Paulus Modestus Schücking setzte sich gegen ganz erhebliche Widerstände mit guten Gründen - auch aus eigener Erfahrung - für die Zulassung eines zweiten Arztes in Sögel ein. Insgesamt drei Kinder waren ihm im zarten Alter gestorben, so daß er seine Frau in mehreren Fällen kurz vor der Niederkunft zur besseren ärztlichen Versorgung nach Coesfeld oder Dülmen schickte. Allein - dieser Einsatz für eine bessere medizinische Versorgung Sögels und des Hümmlings schaffte viel böses Blut und trug ihm einige Feindschaften ein. Erst kurz vor seiner Entlassung als Amtmann im Jahre 1836 entschied sich die Regierung für die Zulassung des von Schücking geforderten zweiten Arztes.

Schücking hatte sich schon während seiner Zeit in Sögel mit Religionsfragen beschäftigt und dabei die historischen Hintergründe scharfsinnig, angelehnt an den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) sowie dem Theologen Georg Hermes (1775-1831), beleuchtet. Seine regelmäßigen Gespräche mit den Kapuzinerpatres im Schloßkloster sind durch seinen Sohn Levin Schücking in die Literatur eingegangen. Vom preußischen König wurde er für sein 1838 in Münster erschienenes Buch „Krone und Tiara" ausgezeichnet. Allerdings war der durch die hermesianische Theologie geprägte Richter und Amtmann seiner Zeit wohl weit voraus. Er stritt in mehreren Schriften für mehr Toleranz bei und zwischen den beiden großen Konfessionen. Der Amtmann propagierte die Legalisierung gemischtkonfessioneller Ehen und zog gegen manche Dogmen zu Felde, die er als gegen die sittliche Vernunft bezeichnete. Schückings Denken und Handeln, geprägt von den großen deutschen Philosophen, mußte - gepaart mit seinem Gerechtigkeitssinn - in dieser Zeit immer wieder auf vehementen Wiederstand stoßen.

Obwohl große Teile der Bevölkerung sich mit ihm solidarisierten, wurde dem Hümmlinger Amtmann am 26. Januar 1836 der Prozeß gemacht. Der Arzt, dem Schücking einen „Konkurrenten" vorgesetzt hatte, spielte hierbei eine nicht unerhebliche Rolle. Ebenso lassen die übrigen Zeugen und die vage Urteilsbegründung den Schluß zu, daß man einen unbequemen Geist mundtot machen wollte. Schücking wanderte nach seiner Amtsenthebung nach einer kurzen Zwischenstation in Münster am 4. Juli 1838 gemeinsam mit seinem Sohn Alfred Schücking nach Nordamerika aus.

Hier betätigte er sich zunächst, ebenso wie sein Sohn Alfred, als Lehrer und Herausgeber von Zeitschriften. Beispielsweise publizierte er in Baltimore „Schückings Intelligenzblatt". Er berichtete überdies für mehrere deutsche Zeitungen über die gesellschaftlichen, politischen und religiösen Zustände in der Neuen Welt. Im Gegensatz zu seinem Sohn, der in den USA Karriere machte, konnte sich Paulus Modestus Schücking nicht an die Verhältnisse in seiner neuen Umgebung anpassen. Er kehrte daher schon 1840 nach Deutschland zurück und ließ sich in Bremen nieder, wo er sich fortan als freier Schriftsteller und Historiker zu philosophischen Themen äußerte. Es entstanden nun religionsphilosophische und historische Werke, die häufig unter dem Pseudonym „Ludger von Darfeld" erschienen.


Catharina Busch

Catharina Busch (Sybilla Catharina Elisabeth, verheiratete Schücking)
geboren am 26. Januar 1791 in Ahlen, 
gestorben am 2. November 1831 im Ludmillenhof in Sögel, Dichterin

Kurzbeschreibung:

Catharina Busch gilt als "erste Dichterin Westfalens" und wurde von der jüngeren Annette von Droste Hülshoff als Vorbild/Lehrerin bezeichnet.Catharina Busch war die älteste Tochter des Stadt- und Landrichters Peter Ignatz Anton Busch (* am 17.6.1757, + am 18.9.1834) und dessen Ehefrau Anna Elisabeth Elverfeld (* am 9.5.1765, + am 11.4.1840). Sie hatte elf Geschwister. Catharina Busch, auch Kathinka genannt, heiratete am 7. Oktober 1813 in St. Victor in Dülmen den damaligen Friedensrichter und späteren Richter und Amtmann Paulus Modestus Schücking. Das Paar hatte sechs Kinder, von denen allerdings zwei im zarten Kindesalter verstarben.

Ihre Jugendzeit verbrachte Catharina Busch im münsterländischen Dülmen, wo ihr Vater als Richter tätig war. Obwohl das Volksschulwesen in jener Zeit eine gründliche Reform erfahren hatte, kann das talentvolle Mädchen nicht viel empfangen haben. Immer wieder bedauerte sie in ihrem späteren Leben, daß ihr als Mädchen die Möglichkeit eines „ruhigen Studiums" nicht gegeben worden sei. Erzogen wurde sie im Kloster Agnetenburg in Dülmen. Die fehlende Schulbildung ersetzte die Wissendurstige durch Lesestoff.

Für ihren weiteren Lebensweg war daher von einschneidender Bedeutung, daß sie etwa 16jährig, nach Münster kam und dort sofort Kontakt zu dem münsterischen Dichter und Juristen Anton Mathias Sprickmann (1749-1833) fand. Dieser erkannte ihr dichterisches Talent, verschaffte ihr reichliche Lektüremöglichkeiten und führte sie in den damals sehr bekannten nach der Fürstin Amalia von Gallitzin (1748-1806) benannten „Gallitzin-Kreis" ein.

In dieser Umgebung reifte das dichterische Talent Catharinas heran, durch verständnisvolle Kritik Prof. Sprickmanns gefördert, der sich diese fast bis an ihr Lebensende, gelegentlich jedoch allzu bedingungslos, unterwarf. Prof. Sprickmann, der in späteren Jahren auch Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) förderte, führte Catharina in die Literatur ein und vertiefte vor allem ihr Verständnis für Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), dessen „Messias" schon in frühester Jugend zu ihren Lieblingsbüchern gehörte. Diese Begeisterung für Klopstock wurde bestimmend für die Richtung, die sie als Dichterin einschlug.

Als 17jährige trat Catharina auf einem Adelssitz bei Ahlen die Stelle einer Gesellschafterin an. In dieser Zeit (1810) veröffentliche das poetische Jahrbuch „Mimigardia" ihre ersten drei Gedichte „Herbstlied", „Der Frühlingsabend" und „Moosrose". Gleichzeitig wurden einige ihrer Gedichte in verschiedenen Zeitschriften gedruckt. Diese ersten Publikationen sorgten in der Öffentlichkeit für erhebliches Aufsehen, da eine an das allgemeine Publikum tretende Dichterin nicht in das Gesellschaftsbild der Zeitgenossen paßte. Catharina Busch wurde öffentlich verhöhnt wegen ihrer "Eitelkeit" - ein junges Mädchen habe sich anderen, „häuslichen" Aufgaben zu widmen. Gleichzeitig waren die Vorkommnisse aber auch der Grundstock für ihre „Berühmtheit" und ihr Fortleben als „erste Dichterin Westfalens" in der Literaturgeschichte.

1813, als Catharina Busch schon als bewunderte Dichterin Westfalens galt, lernte sie in Münster die damals 16jährige Annette von Droste-Hülshoff kennen, wobei Catharinas Erscheinung auf Annettes kindliches Gemüt einen nachdrücklichen Eindruck machte. Annette von Droste-Hülshoff sprach später von der „berühmten Catharina Busch". Es war der Beginn menschlicher und poetischer Beziehungen, die Jahre später ihren Höhepunkt in der Beziehung Annette von Droste-Hülshoffs zu Catharinas Sohn Levin Schücking finden sollte.

Sofort nach ihrer Heirat mit Paulus Modestus Schücking am 7. Oktober 1813 zog das junge Paar nach Meppen, wo Catharina am 6. September 1814 Mutter eines „wohlgestalteten und gesunden Knäbleins" wurde. Es war Levin, der ihre dichterische Veranlagung erben und später als Autor berühmt werden sollte.

Wie in früheren Jahren schon in Westfalen, bemühte sie sich auch in Meppen um Theateraufführungen zur Hebung der Kultur in ihrem Umfeld. In Meppen mußte als „Theater" das Packhaus der Tante Schnabel herhalten, in dem auch Aufführungen auswärtiger Theatergruppen stattfanden.

Anfang 1815, nur wenige Monate nach der Geburt Levins, siedelte die Familie nach Sögel um, da ihr Gatte Modestus als Richter für das Amt Hümmling hierher versetzt wurde. Amtswohnung wurde der Marstall des Schlosses Clemenswerth. Durch Catharinas beeindruckende Persönlichkeit wurden der Marstall Clemenswerth und das Dorf Sögel schon zu dieser Zeit zu einem Treffpunkt für literarisch und wissenschaftlich interessierte Menschen zwischen Papenburg und Münster. Während die Kontakte zu den münsterischen bzw. westfälischen Kulturkreisen schon wegen der großen Entfernungen sich hauptsächlich auf Briefwechsel und dem Austausch von neuer Literatur beschränkten, entwickelten sich tiefgehende Kontakte zu bedeutenden emsländischen Familien, so beispielsweise zu dem als Politiker, Juristen und Literaten gleichermaßen begabten Papenburger Godfried Eueren (1771-1845) und der Familie Dincklage-Campe. Die Behauptung, die große Poetin Catharina Busch habe „in der Abgeschiedenheit des Hümmlings" mit dem Dichten aufgehört, wie oft zu Papier gebracht wurde, gehört folglich ins Reich der Phantasie. In Wirklichkeit entstanden, wie der Nachlaß zeigt, in Sögel zahlreiche, oft ergreifende poetische Werke, die sie - fast bis an ihr Lebensende - in verschiedenen Blättern veröffentlichte.

1829, nur zwei Jahre vor ihrem frühen Tode, traf Catharina Schücking erneut in Münster mit der Droste-Hülshoff zusammen, die sich immer noch von ihrer „festen und klaren Persönlichkeit" beeindruckt zeigte. In ihren Erinnerungen schämte sich die Droste, daß sie zuvor in Catharina Busch „nur" die Dichterin gesehen hatte, über deren Charaktergröße aber hinweggegangen sei, wie viele andere ihrer Zeitgenossen auch. So hieß es dann in einem Gedicht „An Catharina Schücking", mit der sie Catharina ein ewiges literarisches Denkmal setzte: „Und tief im Herzen hab' ich erkannt, wie zehnfach größer du als deine Lieder!". Catharina wurde ihr so, wie die Droste erkannte, zum zweiten Male in ihrem Leben zur Meisterin, diesmal als charakterlich unerreichbares Ideal. Aber auch auf Catharina muß Annette von Droste-Hülshoff einen tiefen Eindruck hinterlassen haben, denn als sie 1829 ihren damals noch 15jährigen Sohn Levin nach Münster auf das Gymnasium schickte, empfahl sie ihn in die Obhut der Dichterfreundin Annette.

Catharina Schücking, die in ihren letzten Jahren zunehmend an ihrer Isolation im „culturfernen Emsland" litt, zog im November 1830 mit ihrer Familie in den neuerbauten Ludmillenhof um. Am 2. November 1831 um 8.30 Uhr schloß sie im Beisein ihres Gatten und einiger ihrer Kinder für immer die Augen. Die tote Literatin wurde im Amtssaal des Ludmillenhofes aufgebahrt. Für einen Tag wurde der Bevölkerung des Hümmlings die Gelegenheit gegeben, von der „verehrten Amtmännin und Dichterin Abschied zu nehmen". Der beeindruckende Trauerzug führte unter großer Beteiligung der Bevölkerung vom Ludmillenhof am Marstall vorbei zum Schloß Clemenswerth und von dort aus quer durch den Hümmling über Werke nach Neu-Arenberg, dem heutigen Gehlenberg, wo die Dichterin als erste Tote neben der Kirche, zu deren Bau sie und ihr Gatte am meisten beigetragen hatten, ihre letzte Ruhe fand. Ein würdiges Denkmal neben dem Gotteshaus erinnert noch heute an die „erste Dichterin Westfalens", die die letzten 17 Jahre ihres Lebens im emsländischen Sögel verbrachte und hier beeindruckende Literatur schuf.


Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff  (Anna Elisabeth)
geboren am 12. Januar 1797 auf Burg Hülshoff in Roxel bei Münster, 
gestorben am 24. Mai 1848 in Meersburg, Dichterin

Kurzbeschreibung:

Annette von Droste-Hülshoff, zu Lebzeiten wenig beachtet, gehört heute zu den größten deutschen Dichterinnen. Anerkennung für ihr politisches Werk fand sie vor allem durch  Levin Schücking, der ihr eifrigster Förderer wurde und als ihr "Entdecker" gilt. Ihr bekanntestes Werk, "Die Judenbuche", wurde in über 5 Millionen Exemplaren verbreitet und gehört heute zur Weltliteratur.